Donnerstag, 2. Juli 2020

Tag 107: Es ist viel zu warm


Am Samstag werden wir auf den Schneeberg fahren!

Meine Blumen sind allmählich zu groß für das Fensterbrett. Ich werde sie am Freitag abschneiden und ins Büro mitnehmen. Da können sie dann in Frieden sterben.

Von meiner Nachzucht habe ich einige Salatpflanzen pikiert, damit sie ein bisschen mehr Platz haben. Wenn sie groß genug sind, werde ich sie im Beet auswildern. Außerdem wachsen die Rote Bete und Lauch sehr gut. Die Pastinaken keimen noch nicht.

Die Temperaturen erreichen wieder absurde Höhen! Es hat abends noch 31 °C! (Absurd hoch ist alles über 25 °C)

Nikolai hat mit der Pandemie angefangen, Reisevlogs anzuschauen. Das sind Filmchen, die 20 min bis 1 h dauern, wo man meistens Pärchen dabei verfolgen kann, wie sie die Welt erkunden. Es gibt absurd viele Leute, die davon leben, sich beim Urlaub machen zu filmen. Die generischen Reise-Youtuber sind unglaublich glückliche junge Pärchen, die ununterbrochen fröhlich in die Kamera strahlen. Sie sind andauernd totaaaal aufgeregt und freuen sich auf alles und alles was sie tun ist uuuuuunglaublich toll. Nikolai legt auch hier wieder viel Wert auf meine sarkastischen Kommentare. Interessanterweise sind diese ganzen Reiseblogger nun umgestiegen auf Heimwerker. Die Mehrheit hat sich einen mehr oder weniger abgefuckten Van (Wohnmobil oder ähnliches) gekauft und renovieren den jetzt. Ein Pärchen hat einen gekauft, der wahrscheinlich älter ist als die beiden zusammen und haben angefangen, alles auszuwechseln. Nicht nur die Möbel und den Bodenbelag, nein, auch das komplette Innenleben. Es wäre einfacher gewesen, einen Pickup zu kaufen und hinten ein Häuschen drauf zu bauen. Sobald sie mit dem Umbau fertig sind, wird wahrscheinlich der Motor aufgeben, ohne dass sie den Wagen je gefahren wären. Ein anderes Pärchen hat einen umgebauten Kastenwagen gekauft, wo eh alles in einem guten Zustand war. Der Kerl hat dann wochenlang an der Batterie rumgefummelt, weil es ein Problem gab, anstatt einfach jemanden mit Ahnung das machen zu lassen. Spätestens beim Funkenflug in der Holzkiste, wo die Batterie eingebaut ist, hätte ich aufgehört. Dieses Pärchen war auch richtig aufgeregt, als sie die erste Nacht im Van verbracht haben. Sie haben im Van gekocht und dann drin geschlafen. Wow. So spannend.

Was mich am meisten aufregt bei diesen Reisefrauen ist, dass sie in der Regel genau einen Bissen von ihrem Essen nehmen, auf das sie sich tagelang gefreut haben, und dann den Rest höchst wahrscheinlich nicht aufessen. Nachdem sie eine halbe Stunde lang das Essen aus allen Richtungen gefilmt und beurteilt und kommentiert haben, ist es wahrscheinlich auch auf Zimmertemperatur. Aber so toll immer das Essen!

Besonders amüsant sind die Leute, die relativ unvorbereitet ein Land bereisen und dann dauernd darüber fabulieren, dass sie das Land und die Leute kennen lernen wollen und am Ende machen sie den ganzen generischen Tourikram. Da gibt es aber auch andere, zum Beispiel ein Brite, der jetzt grade Russland und die Länder im Westen davon bereist und alte Pionierlager und seltsame Statuen besichtigt. Das ist ein interessanter Inhalt! Etwas, was ich mir auch vorstellen könnte. Außerdem spricht er fließend Russisch und trifft wirklich spontan Einheimische, die ihm dann Spezialitäten empfehlen. Nikolais Liebling ist im Moment ein Deutscher, Wahlhamburger, der sich Schiffstester nennt und berufsmäßig Kreuzfahrten unternimmt. Nicht die nach Jerusalem, sondern die auf dem Meer. Ich fände es auch mal interessant, eine Kreuzfahrt zu machen, aber das ist halt aus Umweltgründen nicht vertretbar. Aber trotzdem ist der Typ sehr sympathisch! Er ist nämlich alle Klischees eines Deutschen in einer Person! Er redet immer darüber, was wie viel kostet und dass es sehr teuer ist und in keinem Preis-Leistungs-Verhältnis. Und er regt sich über viele Sachen auf, wie es nur Deutsche können. Er isst darüber hinaus immer das gleiche: Fisch, Rindertartar, Pasta (anhängig von der Reederei), mehr Fisch und zum Nachtisch Käse mit Feigensenf (!) und ganz viel Süßkram, am liebsten viel davon.

Wir überlegen jetzt immer, wovon unser zukünftiger Vlog handeln wird. Entweder müssen wir alles toll finden, oder wir kritisieren alles. Ich bin für letzteres. Welche Ziele sollten wir anfahren? Die 100 schönsten Schmalspurbahnen Europas? Die 100 schönsten Eichen? Die 100 besten Würstelbuden? Wer wird unser Investor und wird es Leute geben, die uns Geld dafür geben, dass wir Videos drehen, wie wir total genervt von Stadt zu Stadt gondeln und alles schrecklich finden?

4 Kommentare:

  1. Aber Euren, wo Ihr Euch über alles beschwert würd ich mir anshcauen.

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    1. Naja, ich spotte gerne über diese lebensfremden Vlogger. Mich nervt nur ihre scheißgute Laune immer und dass sie immer so (fake?) glücklich zusammen sind.

      Aber es freut mich natürlich, dass Du unseren GrantelVlog anschauen würdest. Wird nur nie kommen, das ist echt zu stressig.

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    2. Oh, wo ich es grad seh: Der Brite, der im Osten Länder bereist hat, hat in Serbien (oder so) Corona eingefangen und ist fast daran gestorben. Er war wohl gegen die Maßnahmen und ist jetzt doch dafür, dass man Masken tragen könnte.

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