Sonntag, 31. Mai 2020

Tag 75: Samstag und es regnet

Es regnet seit Tagen, was ich sehr schön finde. Um mich von den Strapazen von gestern zu erholen, habe ich einen faulen Tag im Bett verbracht. Wir sind nur nachmittags mal losgezogen, um Luftballone zu kaufen. Unterwegs haben wir Burger bei Burgerista gekauft. Die Angestellten hatten alle Schilder vorm Kopf, aber so hoch, dass sie auf alle Burger draufgeatmet haben, die sie hergestellt haben. Am besten war die Verkäuferin, die die Burger zusammengesetzt hat und sich zwischendurch mit dem Handschuh an die Nase gefasst hat. Mal schauen, ob einer von denen Corona hatte.

Ich kann nach wie vor nicht nach Hause fahren, ohne bei der Rückreise in zweiwöchige Quarantäne zu gehen. Aber ab Mitte Juni sollen die Regeln gelockert werden und die Maskenpflicht entfällt in einigen Bereichen.

Jetzt ist halt echt ein guter Zeitpunkt für alle Museen und Sehenswürdigkeiten, aber wir warten noch auf meine kleine Schwester. Wenn sie kommt, wird Wien unsicher gemacht!

Abends haben wir "Dust till Dawn" angeschaut. Wer ihn bis jetzt nicht angeschaut hat, braucht sich auch nicht über meine Spoiler beschweren:
Es fängt an mit einem Polizisten, der über einen Banküberfall redet. Er wird kurz darauf von selbigen erschossen. Dann fliehen die Bankräuber Richtung Mexiko und kidnappen unterwegs eine Familie, die sie über die Grenze bringt. Da sollen die Bankräuber ihre Komplizen treffen. Der Treffpunkt ist eine Spelunke, wo die Familie und Bankräuber hineingehen und drinnen warten. Plötzlich sind alle Angestellten der Lokalität Vampire und am Ende sind alle tot außer dem Mädchen und einem der Bankräuber. Der nimmt sie dann nicht mit und lässt sie am Arsch der Welt in einem fremden Land alleine stehen.
Ich schaue ja öfter Ramschfilme an, aber der war schon mühsam. Die Hauptdarsteller waren George Clooney und Quentin Terentino, weshalb ich höhere Erwartungen hatte. Es gab zwar schon amüsante Stellen, aber allein die Erzählweise war so unraffiniert. Und durch die Vampire passen die beiden Filmhälften auch nicht zusammen. Es ergibt halt auch keinen Sinn. Wieso ist eine Spelunke so berühmt und beliebt unter Bikern und Trukkern, wenn dauern Leute da verschwinden, inklusive ihrer Ladung? Und keiner der Charaktere entwickelt sich in irgendeine Richtung. Vielleicht noch das Mädchen, das totaaaal cool eine Armbust bedient? Aber es war einfach kein liebenswerter Charakter dabei. Nur Psychopathen und 0815.

Samstag, 30. Mai 2020

Tag 73 und 74: Arbeit! Und ein Blutbad


Am Donnerstag habe ich wieder brav gearbeitet und abends Sport gemacht. Freitags bin ich dann in die Arbeit gefahren, denn ich hatte Labortag! In der Früh hab ich mich mit dem Brotmesser geschnitten, aber an der linken Hand, was noch ok ist für meine Arbeit. Im Labor habe ich es dann geschafft, mir mit einer Rasierklinge so tief in den Finger zu schneiden, dass der Boden überall neue Farbkleckse bekommen hat. Zum Glück war eine Kollegin grad da, die alle immer mit Pflastern versorgt. Die Messungen waren dann auch ganz gut.

Ich schlaf im Moment nicht so gut. Das liegt wahrscheinlich an der wenigen frischen Luft, zu wenig Bewegung und dass ich immer so lang auf bleibe. Aber das Wetter ist toll! Es regnet die ganze Zeit!

Donnerstag, 28. Mai 2020

Tag 72: I hear an Guggu aus der Mostbuade schrei'n


Beim ersten Blick am Morgen auf mein Handy sah ich eine Nachricht von meiner Likörverwahrungsstelle: Die Flasche hat ein Leck! Oh nein! Zum Glück konnte sei ein Stamperl unterstellen.

Mittags haben wir ein Burrito gejagt. Die tun immer Koriander in die Tomaten und in die scharfe Soße. Sie kontaminieren alles, was ich mag. Ich habe seit längerem versucht, durch das Ablehnen des Seifenkrauts passiv aggressiv eine Abschaffung des selbigen zu erwirken, aber es gibt wohl zu viele, die gerne Seife essen.

Ich war heute wieder fleißig und habe viel geschrieben.

Abends haben wir kärntnerische Lieder gesungen. Ein Freund hat sie angestimmt und ich muss sagen, das klang echt schön. So wehmütig, aber halt auch einfach schön.

Freund, wir müssen reden. Wer von euch verwendet denn da Apple-Produkte??  

Ich hab mir Jodel installiert. Ich hatte das schon mal 3 Tage und habe es wieder deinstalliert. Auch diesmal werde ich es nicht viel länger behalten. Für die Menschen mit einem normalen Leben: Jodel ist eine App, die hauptsächlich von Studenten genutzt wird. Man kann sich anonym austauschen und der Horde Dinge mitteilen. Hier schreiben die meisten über ihre Probleme und man kann generisch unter jeden Post "Hol Dir professionelle Hilfe" schreiben. Ein kleiner Anteil der Mitteilungen ist noch unterhaltsam, wenn zum Beispiel wieder irgendwelche festgefahrenen Meinungen ausgekramt und diskutiert werden. Aber man kann sich den ganzen Zirkus auch sparen ohne was verpasst zu haben. Allerdings bekommt man dann auch mit, was gerade aktuell in der Welt passiert. So habe ich erfahren, dass die Frau, die im Ibiza-Video-Skandal die Oligarchennichte gespielt hat, jetzt per Haftbefehl gesucht wird. Der leitende Kriminalbeamte scheint leicht voreingenommen zu sein.

Mittwoch, 27. Mai 2020

Tag 71: Pelmeni!


Heute musste ich viel mit meinen Kollegen hin und her schreiben, aber es löste sich alles in Wohlgefallen auf. Ich habe jetzt noch zwei zusätzliche Standards, Korralenstrauch und Erbse. Freitag wird jetzt mein Labortag. Dann kann ich die anderen vier Tage konzentriert schreiben *hust*.
Mittags machte Nikolai die Pelmeni, die uns sein Freund letztens vorbeigebracht hat. Vorzüglich waren die. Es gab drei verschiedene Arten: Mit Schwammerl, mit Käse und mit Fleisch. Und alle einmalig gut. Wer macht sich denn so viel Arbeit? Ich gustiere das auf jeden Fall.

Abends bin ich noch mal losgezogen an die Uni, um ein paar Sachen nachzuschauen und meine Pflanzen zu gießen.

In meinem Beet konnte ich sehen, dass die hiesigen Schnecken Gourmets sind, denn sie haben sich alle auf meinen Radieschen und Radis versammelt. Der eine Grazer Krauthäupl, der gekeimt ist, lebt aber noch. Ich bin zufrieden. Offensichtlich war meine Pflanzenauswahl sehr zum Geschmack der Anwohner. Die Tomaten stehen noch unverändert.

Daheim hat Nikolai fleißig Wäsche aufgehängt. In einem Moment, wo er sich unbeobachtet wähnte, versteckte er sich hinterm Wäscheständer. Aber da hat er nicht mit meiner fast 30jährigen Erfahrung im Versteckspiel gerechnet!


ich kanns nicht mehr sehen
Ich habe meine Myzelanzucht begutachtet und habe dabei ein Glas Kräuterseitling gesehen, das unten nicht durchwachsen war, aber oben komplett. Ich habe es jetzt offen aufs Fensterbrett gestellt. Vielleicht wächst da ja direkt was raus.

Myzel. So schön.
Austrocknungsschutz





Dienstag, 26. Mai 2020

Tag 70: Da lauert Arbeit


Früh morgens um 9 erreichte mich eine Nachricht meiner Cheffin, dass sie mein paper korrigiert hat. Das bedeutet, ich kann die nächsten Tage konzentriert arbeiten, ohne mir neue Sachen auszudenken, die ich lieber machen würde als zu schreiben.

Mittags sind wir losgerannt, um uns Gyros beim Griechen unseres Vertrauens zu kaufen. Der Gyros war vorzüglich! Und um den Wirten in dieser schweren Stunde beizustehen, haben wir zusätzlich noch Pommes Frittes gekauft. Die würzen sie immer mit Salz und Kräutern. Unschlagbar. Wir haben den Gyros wie immer mitgenommen und im nächsten Park verzehrt.

In Wien gibt es viele Parks und in den Parks gibt es immer viele Parkbänke. Das ist mir schon bei den ersten Besuchen in Wien aufgefallen und ich finde es immer noch toll. Es gibt auch ein paar wenige grattlige Bänke, wo man sich nicht hinlegen kann, aber die meisten sind schon normal. Manche kann man auch umstellen. Das machen sie immer gern im Park vor meiner Uni. Da stehen immer ein paar Bänke wild auf den Wiesen herum, immer nach der Sonne gerichtet. Dort gibt es auch Brotzeitbänke, immer zwei Bänke mit einem Tisch in der Mitte. Ich wünschte, dass hätte es an meiner Uni daheim auch gegeben, da mussten wir uns immer zwischen Tisch und draußen entscheiden.

Nach dem Gyrosgenuss sind wir wieder heim gelaufen, damit ich rechtzeitig zu unserem Arbeits-Zoomtreffen komme. Da hat sich herausgestellt, dass ich sehr genau meine Anwesenheit an der Uni ans Sekretariat übermitteln muss, also auch, wenn ich meinen Termin von Montag auf Sonntag vorziehe. Außerdem muss ich auf meine Brillenträgermasken noch 2 Wochen länger warten. Sehr unerfreulich. Irgendwer hat noch vorgeschlagen, dass man die Anwesenheitsliste (momentan ein Spreadsheet in Excel) durch eine ersetzen sollte, wo man direkt sieht, ob man sich noch eintragen kann oder nicht.

Nach dem meeting musste ich weiter am paper arbeiten, folglich habe ich für die Anwesenheitsliste eine Tabelle erstellt, die aus den angegebenen Uhrzeiten pro Stunde die anwesenden Leute berechnet.
Um dann immer noch nicht arbeiten anfangen zu müssen, habe ich Hollerküchl gemacht. Diesmal bin ich halbwegs zufrieden mit meinem Werk. Allerdings sind es viel zu viele und ich kann kein Fett mehr riechen. Ich habe den Teig angesetzt, das restliche Bier getrunken und dann festgestellt, dass der Teig nicht reicht und dann das restliche zweite Bier auch noch getrunken. *hicks*

Abends haben wir wieder Sport gemacht mit super coolen Übungen! Die Trainerin wird immer besser! Am besten fand ich das head bangen zu stairway to hell.


Mit meinem Restalkohol im Blut habe ich dann versucht, weiter zu arbeiten und irgendwann kapituliert. Morgen wieder.

Sonntag, 24. Mai 2020

Tag 69: Baden


Heute hat es wieder geregnet, aber diesmal sind wir trotzdem losgefahren. Nikolai hatte den Wetterbericht gelesen, der nachmittags Sonne versprach. Als wir aus dem Zug stiegen, hörte es zu regnen auf. Nikolai gehört also auch zu den Zauberern.

In Baden steuerten wir direkt auf den Kurpark zu, denn dort wachsen Eranthis, allerdings haben sie schon alle ihre Samen abgeworfen. Somit waren sie nutzlos für mich und wir schauten uns noch ein bisschen um.

Es gab zum Beispiel einen Stein, auf dem "Jubiläumseiche" stand. Auf einem Stein! So ein Blödsinn.
Jubiläums"eiche"

Und ganz viele Höhlen gibt es dort zu entdecken.


Schulschwänzerhöhle

Wir schauten auch noch andere Parks an. Baden ist sehr parkig.

In einem Beethoven-Museum erwarb ich noch Postkarten. Wer hier offen oder geschlossen hat, war sehr willkürlich, glaube ich. Aber das Museum hatte offen und Postkarten. Beethoven ist einer der beliebtesten Österreicher, glaube ich.

An zweiter Stelle kommt dann Kaiser Franz Joseph, zumindest in Baden. Ich versuche mir noch eine gute Verschwörungstheorie zu KFJ bzw JFK bzw KFC auszudenken. Da muss ein Zusammenhang herrschen!
ein Stein!

Ich habe auch wieder Hollerdolden gesammelt, weil Nikolai mich nicht davon abgehalten hat. Jetzt mach ich wohl Hollerküchl – wieder einmal. Mir wurde auch empfohlen sie zu trocknen und als Tee zu verwenden, aber ich glaube, ich will sie schnell weg haben.

Eigentlich ist jetzt eh die beste Zeit, mal Wien anzuschauen, ohne die ganzen Touris. Allerdings haben halt auch alle/viele Museen etc. noch geschlossen. Ich sehe gerade, dass der Tierpark wieder geöffnet hat! Man muss nur vorher die Tickets kaufen und zu einem bestimmten Zeitpunkt einchecken. Die haben ein Elephantenbaby!

Abends kurz vorm Singen habe ich den Sirup abgeseiht und abgekocht und abgefüllt. Jetzt habe ich Hollersirup! Er ist sehr süß und zitronig und hollundrig. So, wie er sein sollte.
Aussicht auf Baden

Morgen wollen wir beim Gyros-Laden unseres Vertrauens vorbeischauen. Da müssen wir zeitig los, denn morgen muss ich dann auch mal bei dem wöchentlichen Zoom-Meeting meiner Arbeit teilnehmen. So mit Uhrzeit und angezogen und alles.

Samstag, 23. Mai 2020

Tag 68: Russisches Abendessen


Heute wollten wir eigentlich nach Baden fahren, aber es regnete. Wir verschieben diese Pläne auf morgen. Das liegt nicht an unserer Angst vor Wasser, sondern daran, dass ich Pflanzen sammeln will und da ist es besser trocken.

Stattdessen sind wir daheim geblieben und Nikolai hat Steak mit Kartoffelsalat (natürlich auf Mayonnaise-Basis) gemacht.

Da der Joghurt aus war, mussten wir noch einkaufen gehen. Ich bin dabei vor dem Fischregal gestrandet und mir fiel der Kaviar ins Auge. Nur im übertragenen Sinn. Ich bin Brillenträger, was solche Inzidenzen unwahrscheinlich macht. Da ich die Frage "Warum nicht?" wie immer nicht beantworten konnte, beschlossen wir nach langer Inspektion der Auslage, einen Forellenkaviar zu probieren. Das war auch das kleinste Glas. Dazu brauchten wir noch Brot, also haben wir auch in die Backabteilung geschaut und ein sehr gutes, noch warmes Stangenbrot gefunden. Das Brot duftet jetzt noch vorzüglich.

Abends gab es dann Kaviar auf Butterbrot mit Wodka. Der Wodka stammt – entgegen Eurer Erwartung – nicht aus Russland. Den russischen habe ich schon lang geleert. Nein, das war Berliner Wodka aus der Preußischen Spirituosen Manufaktur. Wenn es Euch mal nach Berlin verschlägt, müsst ihr da unbedingt vorbeischauen. Sie haben einen Vertrag unterschrieben, dass sie Leute ausbilden und den entstandenen Alkohol nicht gewinnbringend, sondern quasi zum Selbstkostenpreis anbieten. Die Liköre sind exzellent und wirklich billig für ihre Qualität. Außerdem durften wir uns durch das Sortiment durchprobieren und das Sortiment ist groß. Am Ende der Verkostung habe ich zwei Liköre gekauft, Rose und Quitte, die ich zu Weihnachten meiner Familie kredenzte. Eine Flasche verblieb bei meinen Eltern, die andere bei meiner Tante. Ich sollte mal nachschauen, ob auch regelmäßige Qualitätskontrollen durchgeführt wurden. Andererseits erinnere ich mich düster, dass ich den bei meiner Tante selbst leergetrunken haben könnte… Auf jeden Fall bekam ich als Dreingabe noch ein kleines Fläschchen Wodka dazu, welches nun endlich zu seinem Einsatz kam.

Kaviar schmeckt wie Fisch, unserer nach Lachs oder Forelle. Durchaus schmackhaft, aber es ist ökonomischer, gleich den Fisch anstatt dessen Eier zu erwerben. Aber Kaviar hat den coolen Nebeneffekt, dass er aus lauter kleinen Kügelchen besteht (Eier halt), die man am Gaumen zerplatzen lassen kann. So wie die komischen Bubble Tea Kugeln, nur geschmacklich besser.

Nikolai hat dazu wie zu jedem Essen passende Musik aufgelegt. Las Vegas Crooner Musik. Also Jazz. Sonst gibt es immer DDR-Lieder oder Koreanische Propagandamusik. Nikolai ist da sehr vielseitig.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich mit meinen Russen noch nie Kaviar gegessen habe und ich habe immerhin in den letzten drei Jahren je 3 Wochen 24/7 mit denen verbracht.





Tag 67: Brückentag


Ich habe wieder ein bisschen gearbeitet.
Standard-Radieschen
Mittags gab es Spargel, den ich im Hofladen gekauft habe. Dazu so eine Buttersoße. Das war das erste Mal, dass ich Spargel gekocht habe und gegessen habe ich ihn nicht viel öfter. Ich habe auch noch Radieschensalat gemacht. Auch vom Hofladen.

Abends gab es dann Spargelsuppe. Im Prinzip eine Einbrenne (Butter schmelzen, Mehl einrühren) und dann mit dem Spargelwasser aufgießen. Ich habe eine halbe Muskatnuss reingerieben, das war dann auch das einzige, was man geschmeckt hat – perfekt. Ich hatte mal eine Phase, wo ich alle Suppen und Soßen, die ich gemacht habe, mit einer Einbrenne begonnen habe. Meine Geschwister haben mir dann regelmäßig gesagt, dass die Suppe/Soße nach Mehl schmeckt. Anscheinend muss man nur länger kochen lassen, damit der Mehlgeschmack weggeht.

Ich habe letztens wieder Fotos von Schwammerln bekommen. Bei mir sind sie immer noch Myzel ohne Fruchtkörper.

Heute abend gab es keine neuen Star Trek Episoden, weil wir ein Staffelende erreicht hatten. Stattdessen haben wir bei Mad Man weitergeschaut. Da geht es um eine Werbeagentur in den 60'gern und die Probleme der Angestellten. Der Hauptdarsteller, Don, versucht gerade, vom Alkohol loszukommen, den es zu jeder Uhrzeit zu jeder Gelegenheit im Büro gibt, mit oder ohne Kollegen, weil er mal fast an seinem Konsum gestorben ist. Allerdings fängt er jetzt grad wieder trinken an, weil er Angst hat, dass seine eigentliche Identität auffliegt.
Ein Schwarzbier. Schmeckt nach Eisen.

Österreich ist ein Weinland. Es gibt hier fast nirgends anständiges Bier.

Freitag, 22. Mai 2020

Tag 66: Bier- äh - Vatertag


Morgens habe ich Brotknödel aus unserem alten Brot gemacht. Die gab es dann mittags zur restlichen Schwammerlsuppe von vorgestern. Im Prinzip bin ich danach wieder ins Bett gegangen. Abends bin ich für den Sport wieder aufgestanden. Davor habe ich mir aber noch Schokoladenpudding gekocht. Nach dem Sport habe ich noch einen Absatz meines neuen papers bearbeitet.
Das wird Hollersirup
Dann haben wir bei ein paar Bier Star Trek Next Generation weiter geschaut. Es sind wieder komische Dinge passiert. Riker hat eine Kopie von sich gefunden. Da gab es vor 8 Jahren einen Transporterunfall und seitdem lebte ein zweiter Riker auf einer Station alleine, bis nach acht Jahren der andere Riker zufällig wieder vorbeikam. Und als die beiden sich dann "wieder"gesehen haben, mochten die sich überhaupt nicht. Stell Dir mal vor, Du triffst Dich. Ich fände das schon cool. Ich würde halt hoffen, dass ich Nikolai dann nicht teilen müsste, aber sonst… Das wäre ja eine Person, die genau weiß, warum ich was jemals gemacht habe und die alle Erinnerungen mit mir teilt. Und man kann Leute auf den Arm nehmen, indem man manchmal Rollen tauscht. Und wenn man eine zweite Meinung braucht, kann man sich selbst fragen. Ich verstehe echt nicht, was für ein Problem die Rikers miteinander haben.

Mittwoch, 20. Mai 2020

Tag 64 und 65: Mal wieder im eigenen Bettchen schlafen


Gestern habe ich keinen Bericht hochgeladen, weil ich bei mir daheim war. Dort gibt es keinen Computer und nur so viel Internet, wie die Nachbarn übrig haben.
Bei jedem Stöckchen steht ein Radi.

Gestern ist an der Uni der Strom ausgefallen, was mir meine Kolleginnen mitteilten, weil ich ja den Linuxrechner belege. Die Berechnungen wären durch den Stromausfall abgebrochen, wären sie nicht eh schon seit Sonntag fertig gewesen. Leider ergebnislos, weil ich einen Fehler im Script hatte. Naja, da habe ich halt das Script korrigiert und neu laufen lassen.

Danach bin ich heim gegangen. Unterwegs habe ich im Hofladen eingekauft und habe noch mein Beet besucht. Die Radis werden immer größer, aber bis zur Ernte dauert es noch Wochen. Daheim war immer noch keine Antwort von der Post. Ich warte auf einen Brief von denen, was mit dem Päckchen für meinen Bruder passiert ist. Es ist ja auf dem Weg zur Basis aus dem System verschwunden. Die Zustände in der Post-Basis scheinen weiterhin schlimm zu sein. Es gibt viele Infizierte dort und auch dort, wo die Arbeiter wohnen. Ein bisschen wie in den Schlachtereien in Deutschland.
Die Schnecken haben sich an meinem Schwamemrl gütlich getan. Aber zumindest ist er gewachsen und hat ein schönes Myzel gebildet. Vielleicht macht er ja sogar noch mal Fruchtkörper.

eine Artischocke.

Daheim habe ich mich erst mal alles gegossen und dann mich hingelegt. 2 h später bin ich wieder aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Es war auch erst 20 Uhr. Ich konnte dann aber stundenlang nicht einschlafen. Erst als Nikolai mir einen Twitch-Link geschickt hat, den ich dann angeschaltet habe, schlummerte ich ein. 

Am Morgen sah ich mich verpflichtet, die abgelaufene Milch, die ich am Tag zuvor erworben hatte, zu verwenden und kochte mir eine absurde Menge Grießbrei. Man ist nie zu alt für Grießbrei. Ich hatte sogar noch Zimt und Zucker daheim.

Nach diesem Gelage hatte ich bis nachmittags keinen Hunger, was ganz praktisch war, weil ich 5 h im Labor arbeitete. Ich habe ein paar Proben vermessen. Das Gerät ist neu eingestellt und hat einen neuen Laser und alles und es macht wesentlich mehr Spaß damit zu messen als wie vor ein paar Monaten, als einfach nichts richtig funktioniert hat (weil der Laser kaputt war). Dadurch kann ich jetzt viel schneller meine Proben vermessen als ich gedacht hatte. Das wird auch die Laborcheffin freuen, die mir dabei helfen muss.
Mein Lavendel, vom Vorgänger geerbt.

Ich habe im Hofladen einen Kohlrabi, Zitronen für Hollersirup, grünen Spargel, Birnen, Milch, Käse und einen Aufstrich gekauft. Die Birnen sind der Wahnsinn. Ich habe noch nie so gute Birnen gegessen. Und dann habe ich noch Hollerblüten gesammelt. Oder Hollerdolden.

Nikolai und ich trafen gleichzeitig bei ihm ein. Kurz darauf kam sein Freund und jetzt sind beide unterwegs zum Burgeressen. Eigentlich wollte Nikolai einen Burrito. Nikolai kann endlich all seine Lieblingsrestaurants wieder besuchen und er tut es auch.

Wir singen gleich und ich zisch mir ein Bier. Wenn Du magst, könntest Du ja auch ein Bier trinken? Mein Opa ist grad im Krankenhaus, ich glaube Nierenversagen, und auch wenn es nichts bringt, trinke ich jetzt ein Bier auf ihn. Opa weiß gutes Bier zu schätzen und ich weiß meinen Opa zu schätzen. Besuchen ist so oder so nicht, aber ein Bier, das schaffen wir.
Und morgen schreibe ich ihm einen Brief.

Montag, 18. Mai 2020

Tag 62 und 63: Ausnahmesituation!


Eigentlich wollte ich in der Früh den Bericht für gestern schreiben, aber mein Rechner ist leider abgeschmiert. Deshalb die Zusammenfassung: Wir sind daheim geblieben. Ich hatte keinen Kater, obwohl wir Samstagabend ein Saufspiel zu Warcraft (der Film) gespielt haben. Ich habe bei jedem Zauberspruch und Nikolai bei Erwähnung des Guardians getrunken. Es gab serbisches und tschechisches Bier.

Mittags gab es ein exzellentes Steak mit Bohnen und Kräuterbutter und Salat. Viel zu viel und sehr gut.

Wir sind dann noch spazieren gegangen. In einem dunklen Eck, wo uns keiner sehen konnte (in der Küche) habe ich Nikolai an die Wand gezogen und wir haben heimlich herumgeknutscht.
Abends haben wir wieder gesungen.

Heute hat mein Rechner nicht mehr reagiert. Also hat Nikolai ihn repariert durch Handauflegen. Danach ging er wieder und Nikolai hat ihn noch upgedatet. Das ging bis abends. Jetzt kann ich wieder arbeiten.

Mittags gab es Halloumi mit Kartoffeln. Später habe ich noch Plätzchen gebacken, diesmal mit Rezept. Sind gut geworden.

Weil unsere Schwammerl mal weiter müssen, hat Nikolai noch Sahne gekauft, während ich Sport gemacht habe. Das hat er mit einem Besuch bei McD verbunden. Endlich wieder alles wie vorher!


Vielleicht merkt man, dass mein Enthusiasmus fürs Daheimbleiben schwindet. Die Aussicht, noch bis Ende Juni nach Hause verbannt zu sein, ist nicht erquickend. Aber zumindest darf ich ab nächster Woche an ca. zwei Tagen an die Uni.

Samstag, 16. Mai 2020

Tag 61: Man kann auch einfach liegen bleiben


Das Script hat nach 5 Tagen etwa ein Viertel der Arbeit erledigt. Hoffentlich geht das an der Uni schneller. Es enthält drei verschachtelte for-Schleifen, das muss ja langsam sein.

Heute hat Nikolai das Bad geputzt. Wie immer war es schon vorher sauber.

Danach hat er Essen gekocht. Es gab Kartoffeltaler und Fischstäbchen mit Kohlrabigemüse. Es war exzellent.

Ich habe den ganzen Tag im Bett verbracht, denn es war schon früh klar, dass der Tag nicht mehr besser wird. Aber dann kam doch meine Gier auf Fleisch durch und wir zogen abends noch mal los zum Einkaufen. Im Supermarkt fanden wir noch viele andere Dinge, die wir brauchten, zum Beispiel serbisches Bier. Und meinen Radieschen-Standard. Den brauche ich für die Arbeit. Ich vermesse die Genomgröße der Arten, die ich untersuche. Das mache ich, indem ich die Zellkerne anfärbe und durch ein Gerät durchschicke. Um zu messen, wie groß sie sind, mische ich einen Standard dazu. Beide Pflanzen verursachen einen "peak" und anhand des Abstands zueinander kann man dann die Genomgröße der Probe bestimmen. Standards zeichnen sich dadurch aus, dass man sie gut messen kann und dass die Genomgröße bekannt ist. Ein Standard für kleine Genome ist Radieschen, Sorte Saxa, und die gibt es im hiesigen Supermarkt. Wenn wir in einer Woche wieder das Labor hoch fahren, brauchen wir auch diesen Standard. Also muss ich jetzt rechtzeitig Radieschen anbauen. Alles für die Wissenschaft.

Auf jeden Fall haben wir jetzt Fleisch für morgen. Und ich habe noch Hefe gekauft. Hefe ist immer gut.
eine mysteriöse Tomatensorte

Nikolai merkt immer an, dass das Sortiment viel kleiner ist als sonst im Supermarkt. Ja, stimmt schon, sie füllen manchmal regaleweise das gleiche Zeug ein, wo früher mehr Auswahl war. Aber ich kann es nicht ändern und Panik hilft jetzt auch nicht. Zur Not kaufe ich halt mehr Kartoffeln beim Hofladen meines Vertrauens. Da gibt es auch Brot und Milch und Eier und Käse und Schokolade. Also eh alles.

Jetzt gibt’s serbisches Bier zu Star Trek. Mal schauen, was da heute passiert. Gestern hat Crusher eine komplett unnötige Wissenschaftler-Konferenz einberufen, wo zwei Leute draufgegangen sind. Einen Davon hat Crusher selbst auf dem Gewissen. Aber auch das wurde nicht weiter hinterfragt. Er war einer der Bösen.

Freitag, 15. Mai 2020

Tag 60: McD für alle!


Ich habe heute verschlafen und konnte dann nicht das Geburtstagskind anrufen. Das ging nur bis vor halb sieben. Niemand ist zu so einer Uhrzeit wach. Mein Paket für ihn ist auch verschwunden. Ich habe auf der Post nachgefragt und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich (und auch der Empfänger) es nie wieder sehen werden, da es zwischen Filiale und Basis abhandengekommen ist. Ich habe eine Paketmarke mit einem Foto von Nikolai und mir drauf geklebt. Allein für das Foto hätte ich das Paket auch geklaut. Na gut, vielleicht ist es auch nur von einer Rampe gefallen und liegt nun irgendwo allein am Boden rum. Auf jeden Fall ein tragisches Ende.

Ich war sehr fleißig heute und habe auch viele Emails beantwortet.

Als ich von der Post heimkam, war Nikolai ziemlich aufgedreht. Er hatte soeben seinen ersten McDonald's Besuch seit 8 Wochen absolviert. Fyi McD hat heute wieder aufgemacht.

Ich habe mir dann selbst Essen gekocht. Auch das erste Mal seit 8 Wochen. Es gab geröstete Kartoffeln und Rote Bete – Kartoffel – Eintopf.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Tag 59: Laborarbeit


Morgens bin ich zur Uni geradelt. Unterwegs ist mir ein Schild im Fenster einer Imbissbude aufgefallen. "Wir haben leider heuer geschlossen". Sehr drastisch.

An der Uni habe ich mein Skript leicht verändert am Linuxrechner laufen lassen. Vorher gab es lustiges Passwort raten mit meiner Cheffin. Tatsächlich hat sie das Passwort recht schnell erraten. Die Skripte laufen parallel. Mal schauen, welche Version schneller ist. Insgesamt dauert das ewig und 5 Tage. Ich habe im Script 3 for-Schleifen ineinander geschachtelt. Das kann ja nicht schnell gehen.
Im Labor habe ich dann meine Proben vorbereitet für die Analysen nächste Woche. Allerdings habe ich dann später am Tag eine Mail bekommen, dass der Uni-Betrieb noch um eine Woche verschoben wurde. Also doch nichts mit messen.

Nächste Woche ist angeblich schon wieder so ein Feiertag.

Mein Chef hat mir ein paar Tomatenpflanzen geschenkt. Ich habe mir zwei gerechnet und ca 6 bekommen. Zwei davon wohnen jetzt in meinem Beet, der Rest ist in meiner Wohnung. In unserem Gemeinschaftsgarten werden wohl oft Pflanzen geklaut. Wer klaut denn Pflanzen? Die gibt es doch echt billig überall zu kaufen? Wer so arm ist, dass er sich keine Pflanzen leisten kann, hätte doch dann auch das Gestänge der Tomaten dazu mitgeklaut? Menschen sind schon seltsam. Oder gibt es Tiere, die komplette Tomatenpflanzen fressen oder zumindest ausreißen?

Daheim haben wir wieder Sport gemacht.

Grad habe ich noch ein paar der Masken verändert. Die schwarzen haben jetzt kleine Stickereien drauf. Meine ein blaues Herz und Nikolais die Flagge von Liechtenstein.

Tag 58: Ich bin klüger als ich


Mein Chef hat uns mitgeteilt, dass ab nächster Woche wieder Anwesenheit an der Uni im größeren Stil möglich sein soll. Die Hälfte der Leute soll da sein dürfen pro Tag. Man trägt sich immer für die nächste Woche ein. Das sind die neuen Verteilungskämpfe. Der Spaß geht dann bis Ende Juni. Danach sind eigentlich eh immer alle im Urlaub bis Ende August.

Ich träume seit langem immer wieder von Russland und Kasachstan. Da darf ich ja heuer leider nicht hin.

Hab am Morgen festgestellt, dass der Teil von meinem Script, wo ich dachte, dass ich einen Fehler gemacht habe, tatsächlich richtig war. Ich bin so klug!

Morgen kann ich an die Uni, da lass ich das ganze dann etwas verbessert und optimiert auf dem Uni-Linux-Rechner laufen. Hoffentlich ist das dann schneller fertig. Nach über 12 h Laufzeit hat das Programm grad mal 1600 Loci bearbeitet. Bei 44.000 ist das nicht so beeindruckend.
Nikolai kocht gerade Würstelgulasch. Großartig.

Ab nächster Woche können wir wieder an die Uni. Die Hälfte der Belegschaft darf anwesend sein, bei uns 19 Leute. Da tragen wir uns vorher in eine Liste ein, damit das auch funktioniert.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Tag 57: Endlich mal wieder scripten


Eigentlich hatte ich etwas ganz anderes vor, aber mich haben Emails meiner Kollegen erreicht, die gerade an einem Problem mit unseren Daten arbeiten. Nachdem das entfernt auch etwas mit meinen Analysen zu tun hatte, habe ich also angefangen, ein Script zu schreiben, das die Daten auswertet. 

Ich versuche das mal zu erklären: 

Ich habe DNA-Sequenzen. Das sind ca 100 Basen lange "Wörter", die zum Großteil aus den Basen A, T, C und G bestehen. Es gibt auch Lücken und unklare Stellen, wo mehrere der Basen möglich sind. Von diesen Sequenzen habe ich 44.000 von verschiedenen Stellen im Genom und von bis zu 186 verschiedenen Individuen (Pflanzen, aber von der gleichen Art, Adonis). Wenn ich jetzt eine der 44.000 Stellen im Genom anschaue, sind die sich ähnlich, können sich aber an mehreren Basen unterscheiden.

Beispiel:
Pflanze1: AAATGCCG-T
Pflanze2: AATTGCCGAT
Pflanze3: AAATGCCG-T
Pflanze4: AAATCCCGAT
Pflanze5: AATTGCCGAT

Das sieht erst mal ähnlich aus, ist aber leicht unterschiedlich.

Was ich jetzt wissen will: Wie oft kommt das exakt gleiche "Wort " vor? Im Beispiel gibt es eins der "Wörter" zweimal, falls Du suchen magst.

In der Realität habe ich pro Individuum zwei dieser Wörter pro Stelle im Genom, weil meine Art so wie Menschen diploid ist, also zwei Kopien hat. Diese Kopien können identisch oder verschieden sein.

Mein Script geht jede in den Daten vorhandene Stelle im Genom durch, sucht nach identischen Sequenzen, ordnet die identischen Sequenzen einer Nummer zu und trägt das dann in eine Masterliste ein, wo alle 44.000 Stellen sich in je einer Spalte der Tabelle niederschlagen.

Beispiel von oben:
Pflanze1: 1
Pflanze2: 2
Pflanze3: 1
Pflanze4: 3
Pflanze5: 2

Ich habe 12 h daran gesessen und es sind eh nur 10 Zeilen, aber ich bin sehr stolz auf mich. Das ist immerhin mein erstes bash shell, das ich selbst geschrieben habe. Etwas suboptimal ist, dass es auf meinem lahmen Rechner läuft, aber was soll man machen. Kurz vorm Einschlafen ist mir aufgefallen, dass ich einen Fehler gemacht habe, aber das werde ich dann später korrigieren.

Die Laufzeit ist sicher auch nicht optimal. In R wüsste ich, worauf ich besonders achten müsste. Zum Beispiel sollte man da eher über Reihen als Spalten arbeiten, weil das schneller geht. Und man erstellt besser gleich die komplette Liste und füllt dann Werte ein als ständig was dazu zu kopieren. Das dazu kopieren erstellt nämlich jedes Mal eine neue Tabelle, was bei 44.000 mal 186 mal 2 Einträgen schon auf die Rechenzeit geht. Aber ich bin kein Informatiker, meine Lösung ist für meine Verhältnisse schon sehr gut.

Das Script ist auch nach 12 h noch nicht fertig gelaufen.
Meine Gang-Pflanzen

Es gab Toast Hawaii zu Mittag. Und abends hat Nikolai Eier gekocht. Ich glaube, er wollte mich besänftigen, nachdem er es gewagt hat, meine Schokolade zu essen, die er gekauft hat.


Dienstag, 12. Mai 2020

Tag 56: Schon wieder eine neue Woche


Ich hatte viel vor, erledigt habe ich eher weniger.

Abends hab ich Zaziki gemacht und es war das Paradies. So toll! So gurkig, so knoblauchig!

Den gabs nach dem Sport. Und dann hab ich bis spät abends versucht mir Übungen zu Musik auszudenken.


Mehr gibt es zu diesem Tag nicht zu sagen.

Ich reiche noch ein Foto nach: Hollerkiachl auf Birne mit Katzen in der Sahne:

Sonntag, 10. Mai 2020

Tag 55: Baby-Dinos mit Rapunzel


Heute Nacht habe ich mäßig gut geschlafen. Nikolai hat wohl wild geträumt und dabei um sich geschlagen, weswegen ich aufwachte und dann auch die Trotteln auf der Straße hören konnte, die leider kein Zuhause haben und deshalb unschuldige Mitbürger terrorisieren müssen. Besoffen heimtorkeln ist ja ok, aber man muss dabei nicht die ganze Straße zusammenschreien. Meine Meinung.

Ich hab dann wieder Hollerküchl gemacht. Sie schmecken schon wieder nicht. Dafür sahen sie lustig aus. Der Teig war so flüssig, dass die Blüten sehr filigran von Teig umgeben waren. Die Hollerküchl schmecken nach Fett und Wiese. Wenn man sie mit Birne isst, geht es aber. Allerdings ist die Birne pur auch besser. Ich hoffe, ich werde irgendwann wieder wohlschmeckende Gerichte bereiten können.

Aus dem restlichen Teig habe ich Pfannkuchen gemacht.

Zu Mittag hat Nikolai kleine Dinos aus dem Tiefkühler gemacht, dazu Feldsalat. Außerdem gab es noch Kalamari, diese panierten Gummidinger.

Abends haben wir noch gesungen.

Mein Chef hat mir eine Mail geschickt, am SONNTAG!!! Er hat gefragt, ob ich Tomatenpflanzen haben will. Ja bitte :D

Tag 54: Wieder Wochenende!


Nachdem mein kleiner Bruder bald Geburtstag hat, bin ich losgezogen, um Sachen für sein Paket zu besorgen. Zum Glück habe ich eh letztens Seifenblasen gekauft. Eigentlich waren die für mich, aber ich teile ja gerne. Ich habe auch Plätzchen gebacken. Papa würde sagen, dass sie an Omas Schnitzkünste erinnern. Man kann damit Häuser bauen. Zumindest zermatschen sie nicht auf der Reise.

Eine Karte habe ich ihm auch noch gemacht mit ganz vielen leicht asymmetrischen Formen drauf.

Abends haben wir dann noch Star Trek angeschaut. In einer Episode hat Jean-Luc Picard einfach mal ein paar Leute umgebracht. Sie waren natürlich ganz gemeine Mülldiebe, die es nicht anders verdient haben, aber es wurde nicht mal danach diskutiert, ob das ok war oder nicht. In der nächsten Episode hat er sich dann verliebt und es war den beiden zu viel Stress, sodass sie sich dann wegversetzen hat lassen. 

Am schlimmsten war aber die dritte Episode. Darin haben sie und Klingonen und Romulaner und Cardassians DNA-Sequenzen aus der ganzen Galaxie gesammelt, die dann, als alle zusammengesammelt waren, eine Projektion erschaffen haben, die den Anwesenden erklärt hat, dass sie alle von der selben Spezies abstammen, und dass diese Spezies überall Lebewesen ausgesetzt hat, um das All zu bevölkern. Das das mich auf so vielen Ebenen verärgert. Erst mal die DNA-Sequenzen: Sie haben diese Sequenzen künstlich in die DNA von Lebewesen eingefügt, damit irgendwann diese Projektion abgespielt werden kann, wenn die Sequenzen alle zusammen gesammelt sind. Und die DNA ist dann angeblich 4 Milliarden Jahre lang nicht mutiert. Das geht eigentlich nur, wenn die Sequenz lebensnotwendig ist und Mutanten mit auch nur einer Base Unterschied direkt nicht mehr lebensfähig oder zumindest reproduktionsfähig sind. Aber nachdem die DNA künstlich eingefügt wurde in schon bestehende Lebewesen, ist das seeeehr unwahrscheinlich. 

Pro Planet wurden Lebewesen mit der selben künstlich eingebrachten DNA-Sequenz ausgesetzt. Die Forscher müssen also theoretisch alle (oder zumindest viele) Lebewesen finden, beproben und die DNA vergleichen, um eine Sequenz zu finden, die überall identisch ist. 

Die so gefundenen DNA-Sequenzen kann man dann kombinieren durch eine "protein link compatibility". Keine Ahnung, was das heißt. Dass man die Sequenzen mit Proteinen zusammenkleben kann? Welche Proteine? In einer wunderschönen Animation werden dann auch alle Sequenzen irgendwie zusammengeklebt. WTF. 

Erst sind alle Sequenzen ordentlich aufgelistet, dann werden sie wild aneinander geklebt


Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Punkte die Protein-Brücken, die die DNA-Sequenzen zusammenkleben. 

Dabei kann man ja wirklich mit DNA Programme schreiben. Man hat halt vier Zustände (vier Basen, A, T, G und C), nicht nur zwei (0 und 1). Wieso so ein dummer, unlogischer Umweg über Proteinbrücken, die man halt überall hinbauen könnte? 

Auf jeden Fall hat ihnen dann nur noch eine Sequenz gefehlt und alle sind losgedüst zum letzten Planeten, wo sie sich nicht einigen konnten. Deshalb haben die vom der Enterprise (die Guten) dann heimlich eine Probe genommen, indem sie etwas von der Wand gekratzt haben, in der Hoffnung, dass die Versteinerung noch nicht abgeschlossen ist und noch genug DNA zu finden sei. Tatsächlich musste Jean-Luc Picard dann nur das Glas mit der Probe auf sein Tricorder (ein Allzweckgerät) legen, woraufhin die DNA gelesen wurde (keine Ahnung, wie), die richtige Sequenz gefunden wurde (keine Ahnung, wie -ohne Vergleichsgenome- und warum die Sequenz noch intakt war und nicht mutiert) und die Sequenz zu den anderen hinzugefügt wurde, ohne dass man noch irgendwas hätte machen müssen. Toll, diese Technik.

Dann kam eben die Projektion. Und auch die Quintessenz der Episode stört mich. Natürlich ist jetzt geklärt, warum alle Gegenspieler und Verbündeten der Föderation sehr ähnlich wie Menschen ausschauen, nämlich weil wir alle von der gleichen Art abstammen. Ich dachte bis gestern, dass es einfach daran liegt, dass sie nicht noch mehr Aufwand in der Maske wollten. Ich hätte gehofft, dass in Star Trek mehrere Lebensformen unabhängig voneinander entstanden wären. Aber nein, es gab nur die eine Urform, die es für nötig befand, überall ihre Gene zu verteilen.

Etwas befremdlich ist, dass die Planeten vor vier Milliarden Jahren besiedelt wurden, Menschen aber erst seit ca 300 000 Jahren existieren. Und wenn wir weiter zurück gehen: selbst Wirbeltiere gibt es erst seit ca 500 Millionen Jahre. Vor vier Milliarden Jahren gab es noch nicht mal Zellen mit Kernen drinnen. Es ist auch relativ unmöglich, dass potenziell ausgesetzte menschliche Lebensformen die Atmosphäre überlebt hätten, die vor vier Milliarden Jahren existiert hat.

Anscheinend haben sie auch gar nicht Humanoide ausgesetzt, sondern nur besagte konservierte DNA jeweils in die Ursuppe gekippt und dann gewartet, was passiert. Es ist schon sehr unwahrscheinlich, dass dann auf allen Planeten Humanoide entstehen. Wir sprechen hier von der Entwicklung von Zellen ohne Zellkernen zu Zellen mit Zellkernen und dann zu Pflanzen und Pilzen und Tieren und Bakterien und allem anderen. Wieso hat sich dann auf allen Planeten unsere Evolutionsgeschichte abgespielt, wo auch Pflanzen und Tiere entstanden sind und wo die menschliche Lebensform am Ende dominiert? Wäre es nicht wesentlich wahrscheinlicher, dass zB irgendwo nur Bakterien leben? Woher konnten sie überhaupt wissen, dass dort Leben entstehen wird und lang genug überdauern wird, um mal alle Sequenzen zusammen zu suchen?

Und wenn man von dem allem mal absieht und einfach davon ausgeht, dass unsere ganze bisherige Forschung einfach nicht richtig war: Wieso zum Henker ist in der Starfleet niemand auf die Idee gekommen, die DNA ihrer Besatzung mal zu untersuchen? Überhaupt hätte es irgendwem mal auffallen sollen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle den gleichen Organismus haben mit DNA als Träger der Erbgutinformation. Und auch dass es immer wieder Mischlingskinder gibt, ist ein starkes Indiz, dass die Verwandtschaft recht nah ist zwischen den verschiedenen humanoiden Lebensformen. Anscheinend machen wir in Zukunft Rückschritte in der Forschung.

Diese Episode hieß übrigens "The Chase" und ich musste natürlich direkt an "The chase is better than the catch" denken. Perlen der Musikgeschichte.


Ich wünschte, ich könnte so viel Text in so kurzer Zeit für meine Doktorarbeit schreiben.

Freitag, 8. Mai 2020

Tag 53: Pillenschmeißen


Ich bin wieder gießen gefahren. In meiner Wohnung sah alles noch lebendig und gewässert aus. Die Zitrone treibt wieder aus! Sehr widerstandsfähig, diese Pflanze. 

Baby-Zitrone, die aus den Wurzeln nachwächst

Es wartete auch Post auf mich! Die Tochter der Cousine meiner Mutter hat mir zwei wunderschöne selbstgenähte Masken geschickt. Sehr toll.

Am Beet habe ich versucht, die Radis etwas auseinander zu setzen und habe wieder mal alles gegossen.

An der Uni war tatsächlich schon die Analyse fertig! Da konnte ich ein paar Stunden lang bunte Plots in allen Variationen erstellen.

Im Hofladen habe ich Kartoffeln, Zwiebeln, Birnen und eine Gurke erstanden. Die Birnen sind fantastisch. Von außen sehr hart, aber so weich und süß, wenn man hineinbeißt.

Kurkuma
Daheim hatte ich eine sehr schlechte Laune, weil mein Nicht-Zahnweh schlimm geworden ist. Während Nikolai loszog, um ein Care-Paket seiner Mama von der Poststation zu holen, lag ich im Bett und bemitleidete mich selbst. Als er dann wieder da war und ich immer noch keinen Spaß daran hatte, auch nur eine Mine zu verziehen, bat ich ihn um Schmerzmittel. Nikolai hat eine ganze Batterie an Pillen und Tabletten und darunter waren auch Schmerzmittel. Ich nehme sowas nie, weil ich nie Schmerzen habe. Aber diesmal … so eine gute Erfindung. Ich schlief dann noch ein paar Stunden.


Ich muss auch noch von einer weiteren abgefahrenen Geschmacksverirrung berichten: Wir haben Kebab-Chips ausprobiert. Das sind Chips, die angeblich nach Döner schmecken. Tatsächlich hat es mehr nach Chicken Teriyaki geschmeckt und waren sehr scharf. Wenn man sich stark konzentriert, kann man im Nachgeschmack Döner erkennen.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Tag 53: Pakete nur für andere


Ich freue mich so auf Post, dass ich immer total aufgeregt bin, wenn es klingelt. Aber es sind immer nur Pakete für Nikolai oder die Nachbarn.

Der Rhabarberkuchen ist eingefroren. Da kann er warten, bis ich ihn wieder anschauen will.
Mittags gab es Tortelloni. Die sind schon zwei Tage abgelaufen, aber Nikolai ist da inzwischen tolerant.

Habe gerade umständlich versucht, R auf opencpu laufen zu lassen, um dann festzustellen, dass es auch eine cloud von R gibt, wo ich das alles auch ohne das ganze Brimborium haben kann. Morgen mach ich dann weiter mit den Analysen. Gleich nachdem ich wieder meine Gießrunde absolviert habe.

Ich habe tatsächlich ein bisschen gearbeitet heute.

Abends wurde wieder gesportelt. Danach weiß ich immer, wie unsportlich ich bin, aber aufhören ist halt auch keine Option.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Tag 52: Ich kann nicht mehr backen


Ich bin recht früh aufgestanden, um die Karten fertig zu stellen und den Schal zu Ende zu stricken, damit ich das bald losschicken kann. Die Briefe habe ich dann auch gleich eingeworfen. Da bin ich in meiner Jogginghose , mit ungekämmten Haaren zum nächsten Briefkasten gelaufen. Ich hatte Socken in Sandalen an, weil ich zu faul war, mir was anderes an oder die Socken auszuziehen. Auf dem Rückweg fiel mir dann auf, dass ich nicht mal einen BH trug.

Mittags gab es Würstel, um den neuen Ketchup zu probieren. Nikolai findet, dass das sehr nach Knoblauch und Zwiebel schmeckt, ich hingegen schmeckte nichts dergleichen, es war nur säuerlich.
Ich setzte mich begierig an meine Arbeit, um möglichst viel zu schaffen, um meine Cheffin zufrieden zu stellen. Die reif dann auch gleich an und erklärte, dass sie keine Zeit für mich hatte, weil sie mit dem online-Unterricht so viel zu tun hat. Es lag also nicht an mir. Dann brauch ich auch nicht so fleißig sein. Ich bemühe mich natürlich trotzdem.

Meine Tante schickt mir manchmal Fotos aus ihrem Garten und das erfreut mein Herz. Alle Nachrichten, die mich erreichen, erfreuen mich, aber Pflanzenfotos sind besonders geschätzt. Ich habe auch wieder Fotos von Atompilzen erhalten. Keine Ahnung, was der Kerl gemacht hat, aber die Schwammerl bei ihm wachsen wie blöd.

Ich bug dann auch meinen Rhabarberkuchen und er ist total sauer geworden und jetzt bin ich unzufrieden. Nikolai mag keine meiner Kuchen außer Rhabarber und den mag er jetzt auch nicht mehr. Ich hätte bei den Plätzchen bleiben sollen.

Ich habe über der Arbeit glatt vergessen, dass heute wieder Singen war. Da war ich eine halbe Stunde zu spät dran! Peinlich.

Tag 51: Ausflug!


Ich bin früh morgens losgefahren, diesmal mit der Tram und S-Bahn. Unterwegs kaufte ich noch Briefmarken, weil mir mindestens drei Leute Briefe schreiben wollen und ich ja auch antworten will. Daheim leben immer noch alle Pflanzen. Tobi blüht. Die Zitrone hat immer noch Wurzeln, aber ist komplett kahl.
Kurkuma

blühender Tobi (Basilikum)

Am Beet wächst der Radi und die Radieschen. Da ist mir wohl eine Samenpackung aufgeplatzt. Die Minze vom Vorgänger wuchert auch brav. Ich habe hinten am Rand noch Gras stehen lassen, weil alle Beete neben mir sehr viel Gras drin hatten und ich auch etwas "naturnahe" wirken wollte, aber inzwischen sind alle Beete sehr ordentlich und ohne Unkraut, nur meins sieht aus wie Sau. Na egal, Hauptsache irgendetwas wächst. Die Blumen scheinen auch das gröbste überstanden zu haben.
vom Vorgänger

Den Schnittlauch hat eine Kollegin aus ihrem Beet entfernt und ich habe ihn mir stibitzt.
 
Mein ganzer Stolz. Mit K&K-Trittstein. Hinten ist ein Lavendel.

Radi!

sehr viele Radieschen. Viel zu eng.

An der Uni war ich dann auch noch, um eine Analyse zu starten. Am Hofladen habe ich Rhabarber gefunden. Jetzt gibt es doch keine Plätzchen, sondern Kuchen!
Meine Standard-Radieschen an der Uni. Langsam sollte ich wohl neue pflanzen.

Radieschenblüte.

Auf dem Heimweg habe ich noch mehr Wolle und Garn gekauft.

Mittags war ich wieder daheim und habe mich kurz für 5 h hingelegt. Ich schlafe sonst nie tagsüber, außer ich habe einen Sonnenstich oder mich überarbeitet – also nie. Danach hat Nikolai Essen warm gemacht und um 20 Uhr sind wir losgezogen zum late night shopping. Es gibt hier Läden, die (wieder) bis 21 Uhr offen haben. Ich habe noch mehr Garn gekauft, denn Muttertag naht und ich kann nicht heim. Sonst würde ich auch nicht wegen Muttertag heimfahren. Wenigstens eine Karte wollte ich schicken (mache ich sonst auch nicht). Ich habe letztens noch mehr einfarbige Faltkarten gefunden. Ich dachte, ich hätte alle zu Ostern verbraucht, aber zum Glück bin ich sehr unordentlich und finde dauernd neue alte Sachen. Zum Muttertag gibt es natürlich ein Blumenmotiv. Und weil Nikolai auch eine Mama hat, habe ich zwei davon gemacht. Die Karten sind schon verpackt, deshalb gibt es kein Foto von den fertigen Karten.

Wir haben Zwiebel-Knoblauch-Ketchup gekauft. Was auch immer das ist.

Ich habe es also geschafft, den kompletten Tag nicht zu arbeiten. Muss ich wohl Samstag eine Schicht einlegen.

Meine Punkte verblassen. Schade eigentlich, ich war gern der Leopard im Haus. Aber es juckt auch weniger. Insgesamt würde ich die Erfahrung nicht weiterempfehlen.  

Montag, 4. Mai 2020

Tag 50: Die achte Woche


Eigentlich zählt es ja gar nicht mehr, weil der lock down größtenteils vorüber ist, aber ich hänge immer noch im home office. Und wie vorher ist mein Leben eh nicht. Von dem her: Bald haben wir zwei Monate daheim verbracht. Meine Uni hat eine Mail herumgeschickt, dass wohl bald entschieden wird, wann der nicht normale Normalbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Ich habe eine Mail von meiner Cheffin bekommen, dass mein Arbeitsvertrag verlängert wurde. Ich bin jetzt bis Ende Oktober angestellt. Juchu! Sonst habe ich allerdings seit einer Woche nichts mehr gehört von ihr. Hat sie etwa noch andere Dinge zu tun?? Ich versuche den ganzen Tag schon heraus zu finden, wie viel Gehalt ich mit dem neuen Vertrag bekomme, aber ich glaube, ich lass mich einfach überraschen.

Ich bin zwar immer noch überall gepunktet, aber die Farben sind nicht mehr so knallig wie gestern und inzwischen frier ich sogar, wenn es kalt ist. Besonders schön ist mein regelmäßig bepunkteter Bauch. Es juckt aber unverändert.

Nikolai hat beschlossen, dass ich nicht ansteckend bin und hat mich wieder geküsst. Als ob ich ihn dann nicht schon lang angesteckt hätte.

Morgen fahr ich gießen und abends gehen wir shoppen. Wir brauchen nichts akut, aber ich hätte gern Eier um Plätzchen zu backen. Ich sehe dauernd meine Ausstechformen, das reizt mich schon. Abends haben die Läden jetzt wieder wie vorher offen. Während der daheim-bleib-Zeit schlossen alle spätestens um 19 Uhr, jetzt sind wir wieder bei 19:15, 19:45, 19:50, 21 Uhr… Die haben hier sehr lustige Öffnungszeiten. Das war bei meinen ersten Besuchen hier immer schlimm, wenn wir nach 19 Uhr losgezogen sind, um noch einen Supermarkt aufzusuchen und dann schließt der um 19:20 Uhr – und wir haben uns so auf das deutsche 20 Uhr verlassen.

Nachdem ich einen Schluck Cola getrunken habe, habe ich wieder Zahnweh. Aber halt nicht offiziell. Sehr schwierige Situation. Aber bevor ich wieder zum Zahnarzt renne, warte ich erst mal ab. Trinke ich halt keine Cola, das ist kein schwerer Verzicht. Bier geht wenigstens noch.

Morgen kann ich dann auch Wolle und Faden kaufen. Ich plane eine Mamatagskarte. Ich schreibe sonst nicht zum Mamatag, meistens vergesse ich den einfach, aber jetzt tu ich alles, um nicht zu arbeiten.

Beim Sport am Abend hatte ich der Trainerin Liedvorschläge geschickt und sie hat die fast alle abgearbeitet. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir mehr Mühe gegeben und vielleicht auch mal Übungen zu den Liedern vorher ausprobiert.

Die sollten auf der Enterprise endlich mal eine Alternative zum Holodeck finden. Die haben echt viel zu viel Probleme damit.

Sonntag, 3. Mai 2020

Tag 49: Sieben mal sieben


Ich dachte, es kann eigentlich nur besser werden mit den roten Flecken, aber heute hat es sich noch weiter über die Beine und den Rücken ausgedehnt. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue, denke ich kurz, ich hätte Sonnenbrand, aber ich weiß ja nicht mal, wann ich das letzte Mal Sonne gesehen habe (am Donnerstag). Die roten Flächen heizen auch ziemlich auf. Ich glaube, da kann man schon anfangen, Spiegeleier zu braten. Gut, dass Nikolai einen Haufen Kühlakkus hat. Die hat er damals gekauft, als das Thermostat im Kühlschrank nicht mehr ging. Er hat immer ein paar Stunden gekühlt, aber man musste dann händisch die Kühlung abstellen, weil es sonst endlos weitergekühlt hätte. Nikolai hat Kühlaggregate und gefrorene Wasserflaschen in den Kühlschrank gestellt, um die Temperatur zu halten. Und heute kann ich mich mit den Aggregaten runterkühlen. Dann juckt es auch nicht mehr so.

Heute gab es Tortelloni zu Mittag. Nikolai ist echt fleißig, mir sind Tortelloni zu viel Arbeit. Er hat sie mit Zwiebeln gemacht und die blöden Zwiebeln haben ihn zum Weinen gebracht! Denen hab ich aber was erzählt, da war dann eine Ruh im Schachterl.

Heute habe ich es endlich mal geschafft, neue Körnerbrut für mein Myzel anzusetzen. Ich habe Roggenkörner gekocht, in Gläser gefüllt und dann mit Myzel angeimpft, das seit Ewigkeiten auf Agar wächst. Ich habe Austernseitling und Kräuterseitling verwendet. Jetzt darf das Myzel in den Körnern weiterwachsen. Vielleicht schaffe ich es ja diesmal bis zum Fruchtkörper.

Die Gläser dürfen ins Warme, bis ich sie verwende.

Deckel und Trichter werden auch gekocht.

Der Trichter war eine dumme Idee, die Körner bleiben alle kleben

Fertig. Ich habe auch nur ein Glas über die ganze Küche entleert, als mir der Deckel beim Schütteln aufgegangen ist.


Abends haben wir wieder gesungen. Mama meinte, ich hätte schon mal im Kindergartenalter grundlos rote Flecken überall gehabt. Vielleicht sollte ich dann mal in ein paar Monaten einen Allergietest gegen das Medikament machen. Ich kann zwar noch an einer Hand abzählen, für was ich in den letzten 20 Jahren Medikamente genommen habe, aber wenn klar ist, dass ich immer so darauf reagieren werde, wäre dass ja auch nett zu wissen. Mein Credo von dem ganzen Hautausschlag-Desaster ist ja, dass ich nie wieder zum Zahnarzt gehen will.

Die Blumen überleben vielleicht wirklich
Morgen werde ich wieder anständig arbeiten. Ich versuche mal, mein paper in eine Endfassung zu bekommen, damit ich es an alle Co-Autoren schicken kann. Vielleicht kann ich dann auch Dienstag oder Mittwoch an die Uni fahren… Also eigentlich will ich nur meine Pflanzen gießen, aber es klingt besser, wenn ich es mit meiner Arbeit verbinde.

Offiziell ist Österreich wieder in Betrieb. Nur Restaurants müssen noch zwei Wochen warten. Seit Freitag hat auch der Frisör unten in der Straße wieder auf. Der hat keinen Feier- oder Sonntag gescheut und munter allen die Haare geschnitten. Dazu muss man wissen, dass es in der Straße alle 10 m einen Friseur gibt und die alle seit Jahren existieren – der Bedarf ist da. Die Haarschnipsler tragen dort alle einen Plastikschirm vorm Gesicht.

Es gab wohl am Samstag lange Schlagen vor IKEA und Media Markt. Wir sind brav daheim geblieben und haben nur von oben das Treiben beobachtet.

Der Soletti/Kelly's-Wagen wurde umgefärbt. Er arbeitet jetzt fürs MA 48 (Müllabfuhr).

Wir sind zwar beide überzeugt, dass ich nicht ansteckend bin und dass ich, wenn ich es wäre, ihn schon lang angesteckt hätte, aber wir tun trotzdem so, als wäre ich aussätzig und vermeiden jeden Kontakt.