Dienstag, 31. März 2020

Tag 16: Krisenbastelstunde


Die Kresse muss weg! Besser wird sie nicht mehr.

Es gibt keinen Fortschritt im Blumenbeet.

Heute gab es Berner Würstl mit Erbsen. Ein sehr gutes Beispiel, wie sich Nikolais und meine Kochgewohnheiten unterscheiden: Während ich in der Regel Reis/Nudeln/Kartoffel mit Gemüse (meistens als Soße) koche, lehnt er zu viele Kohlehydrate ab und setzt auf Fett und Proteine. Morgen gibt es Pizza, weil ich Pizza will. Und weil die Schwammerl weiter müssen.

Für die Arbeit habe ich mich heute nicht verausgabt, weil ich noch stolz und faul auf das Werk vergangener Tage blickte. Dafür habe ich Vorlagen für Fadengrafik gegoogelt und ausgedruckt. Immerhin ist schon nächste Woche Ostern! Nikolai war auch noch mal einkaufen und hat mir einen Osterschinken mitgebracht. Ich habe aber noch nicht mit den Karten begonnen, da ich mir dann zwischendurch ein Interview unseres Chefs (also Kurz) angeschaut habe und da hat er gemeint, dass man statt den Masken, die bald am Supermarkt ausgegeben werden sollen, auch Tücher etc. nehmen kann. Die Vorstellung, jedes Mal so ein Wegwerfding zu nehmen, ist mir zuwider, weil bei uns auch keine medizinische Notwendigkeit besteht. Es geht ja nur darum, dass man in den Mundschutz hustet und nicht sonst wo hin. Also habe ich mich zu meinem Kleiderschrank begeben und alle T-Shirts durchgeschaut, die mir in zwei Wochen eh nicht mehr passen werden. Ich habe die Rückseite ausgeschnitten und dabei die Naht jeweils drangelassen, damit es stabiler ist. Dann habe ich es so gefalten, dass ich vier Lagen hatte. Ich habe ringsum mit Meisterhand alles vernäht. Ich habe leider keine Nähmaschine hier herumstehen und so hat mich der ganze Spaß zwei Stunden gekostet. Dann habe ich unten und oben ein Stück Häkelgarn eingefädelt (jeweils horizontal) und dann von oben nach unten alles gerafft (wie einen Fächer gefalten) und mit weiteren zwei Fäden links und rechts zusammengebunden. Den oberen Faden habe ich hinterm Kopf zusammengeknotet, der untere bleibt offen, sodass man den jedes Mal selbst binden kann (auch hinterm Kopf). Die Gesichtsabdeckung sitzt ganz gut, wenn man den oberen Faden übers Ohr legt.
oben Geschirrtuch, unten T-Shirt


Erst mal Pause machen. Vom Nähen hat meine Hand geschmerzt und ich hatte Hunger. Ich mag Kohlehydrate, also habe ich mir ein Brot geschmiert mit Schmalz OR SO I THOUGHT! Tatsächlich war der Aufstrich vegan und auf Kokosbasis. Ich hasse Kokos, aber das Zeug hat wie richtiger Schmalz geschmeckt. Hut ab. Ich hab das im Übrigen nicht gekauft. Da hatte wohl Nikolai eine vegane Phase.

Wir werden zwar in Zukunft (vielleicht?) abwechselnd einkaufen gehen, aber mehr Masken sind mehr Masken. Also habe ich alle Geschirrtücher zusammengesucht, die ich vom letzten Heimatbesuch "ausgeliehen" habe. Tatsächlich frage ich Mama immer vorher und sie vererbt mir dann die, die nicht in ihre Sammlung passen. Zwei habe ich hier bei Nikolai. Der Vorteil von Geschirrtüchern ist, dass sie sehr grob sind und ich deshalb auch mit einer riesigen Nadel durchstechen konnte und somit das Häkelgarn direkt reingesteppen konnte. Ich habe also wieder das Tuch auf vierlagig gefalten.
Oben ist da, wo nicht die Enden sind. Da lege ich einfach einen Faden durch. 

Unten habe ich mit einem Faden alle vier Lagen locker zusammengenäht. 

Dann habe ich noch von unten nach oben gerafft und wieder mit einer Schnur fixiert – fertig.

 Arbeitsaufwand 15 min. Die Tücher kann man dann auch kochen/waschen und oft verwenden. Und am Ende hat man immer noch Geschirrtücher. Mit kleinen, dekorativen Löchern an den Rändern.

Das habe ich mit zwei Tüchern gemacht. Ich habe auch noch ein Dreieckstuch, das zur Not auch verwendet werden könnte.

Nebenbei habe ich noch Analysen laufen lassen. Immer wenn ich zwei Zeilen Code schreibe, fühle ich mich wie ein Genie. Genug der Schinderei. Jetzt schau ich mir wieder schöne Dinge im Internet an. Sowas wie Rezepte für Osterpinzen.

Hab grad Nikolai gefragt, welchen Gesichtsvorhang er bevorzugt und er meinte, die schwarze ist die coole, die gelbe was für Clowns und die blaue für die Hausfrau. Pfff.

Ich möchte noch mal auf das Vermummungsverbot in Österreich hinweisen. Wir machen uns strafbar, egal was wir machen. Ohne Mundabdeckung gefährden wir andere und dürfen kein Essen mehr kaufen. Mit Gesichtsverhüllung verstoßen wir gegen das Vermummungsvervot, das vorschreibt, dass man das komplette Gesicht erkennen können muss. Die Ausnahmen liegen im Ermessen des kontrollierenden Polizisten und da wird keiner was gegen Mundschutz sagen, aber jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, das Gesetz wieder zu streichen.

Montag, 30. März 2020

Tag 15: In Wien gibt es noch Klopapier


Ich habe offensichtlich nicht alle Daten aus der Uni mitgenommen, denn mir fehlen immer noch welche.

Die Kresse wurde heute morgen angeschnitten. Es gab ein königliches Frühstück mit Spiegelei, Speck, Zwiebel und Kresse. Danach habe ich recht produktiv weiter gearbeitet. 



Mittags hatten wir Tomaten-Mozzarella-Salat und dann sind wir auch schon einkaufen gegangen. Noch mal schnell shoppen, bevor die Maskenpflicht kommt. Mir ist noch nicht ganz klar, was uns da erwartet. Ob man jedes Mal beim Supermarkt eine Maske kaufen muss oder ob man die recyclen kann oder ob man die selbst nähen kann. Ich gehe ohnehin nicht ohne Tuch aus dem Haus, weil ich sonst direkt Mandelentzündung bekomme, aber ständig durch das Tuch zu atmen, fällt mir schwer.
mmmmmh, frische Hefe

Ich sollte in drei Wochen einen Vortrag über meine Arbeit halten, an einer anderen Universität. Jetzt kann ich das als Webinar machen. Etwas gruslig.

Meine Judogruppe hat heute ein Workout per WhatsApp organisiert, wo die Trainerin Übungen vorgemacht hat und wir haben dann eine Stunde lang Kniebeugen, Liegestütz und so einen Kram gemacht. Wahrscheinlich etabliert sich das und wir machen das regelmäßig zweimal die Woche. Dazu noch 2-3 mal Geschwistersingen und schon ist meine Freizeitplanung wieder voll. Vorm Daheimbleiben war ich bei Ju Jutsu, habe Russisch in einem Kurs gelernt und Mittwochs sind wir zusammen zu einem Folkloretanzkurs gegangen. Und danach Bosna essen. Bosna kann man jetzt auch nicht mehr kaufen. Nikolai vermisst auch schon seinen McDonald.
Stricken gegen den Weltuntergang

Wir haben eine Postkarte von daheim bekommen! Anscheinend machen die daheim auch Urlaub daheim!

Morgen schicke ich die neue Version meines papers an die Chefs und dann kann ich mich an mein Webinar setzen und schöne bunte Folien machen.

Ich habe Erde aus meine Wohnung mitgebracht, um Blumen im Treppenhaus zu ziehen. Jetzt warte ich erst mal, dass ein paar Samen keimen und dann werden die Setzlinge pikiert.


Sonntag, 29. März 2020

Tag 14: Bierinfusion gelegt


Heute habe ich die Umstellung auf Sommerzeit komplett verpennt und bis erst um 12 aufgestanden. Aber es ist ja auch Sonntag, da kann man das schon mal machen. Nach dem "Frühstück" bin ich dann auch gleich losgefahren zu meiner Wohnung. Von Tür zu Tür brauche ich eine Stunde. Nach der Hälfte der Radlstrecke bin ich fast zusammengebrochen auf dem Leihrad. Kreislauf. Das können zwei Wochen rumgammeln anrichten. Die letzten 1.5 km musste ich zu Fuß gehen und da bin ich noch an meiner Uni vorbei gegangen und habe meine restlichen Daten und Kopfhörer geholt. Meine Radieschen und Petersilie, die ich im Büro für Versuchszwecke anbaue, sahen noch saftig grün aus. 

Daheim haben auch fast alle Pflanzen meine Abwesenheit überlebt. Die Zitrone hat mal wieder alle Blätter verloren, aber vielleicht treibt sie noch mal aus. 
Laublose Zitrone mit lausigem Radieschen

Der Schnittlauch ist wieder sehr gut nachgewachsen und auch beim Petersil und kleinblättrigen Basilikum war kein Schaden zu sehen. 


Die kommen also auch sehr gut ohne mich klar *schluchz* . Ein Faux pas ist mir bei der Kurkuma wiederfahren. In der Annahme, dass die in dem trockenen Eimer eh nicht überlebt hat, habe ich sie ausgebuddelt und dabei ihre schönen Wurzeln kaputt gemacht. Sie hat Wurzeln! <3 Ich hab sie dann wieder eingesetzt und hoffe das Beste. 
Aber kommen wir nun zum Mango(ld)-Fensterbrett! 
von links nach rechts: roter Mangold, tote Radieschen, Mango, grüner Mangold

Mangold ist ein narrischer Zeitgenosse. Denen ist echt alles egal. Die haben zwei Wochen kein Wasser bekommen – auch nicht aus der Flasche – und zack! Grün. Bzw. rot. Und meine Mango sieht auch gut aus. Ich habe sie jetzt ein bisschen weiter in den Schatten gerückt und hoffe, dass sie weiter so schön wächst. Langfristig brauche ich einen größeren Eimer für sie, da Mangos sehr tief wurzeln mit ihren Pfahlwurzeln.

Ich hab dann noch ein bisschen Krimskrams mitgenommen wie Nadeln, Glöckchen und Aufkleber. Ich weiß noch nicht, wofür ich das brauchen werde. 

Ganz wichtig: Ich habe den Osterkorn und die Osterlammbackform geholt! Ostern kann kommen!

Jetzt bin ich wieder bei Nikolai. Es gibt gleich Fischstäbchen und danach Geschwistersingen.


Obligatorisches Kressefoto:

Samstag, 28. März 2020

Tag 13: America first


Wir haben uns entschlossen, erst Montag wieder einkaufen zu gehen, nachdem ich Nikolais Bedenken, wir könnten Osterhasenknappheit erleiden, nicht ernst genommen habe. Ich taue grade Kuchen auf, damit er sich die restlichen 600 g Schokolade bis Montag einteilen kann, ohne mich einzurechnen. Wir alle müssen Opfer bringen und es ist ja eh Fastenzeit. Da müssen auch mal ein Pfund Schokolade pro Tag reichen (es sind noch 40 h, bis wir wieder einkaufen gehen. Ich frage mich, ob es Menschen gibt, die tatsächlich nur alle 2 Wochen einkaufen gehen können.

Das erste Feedback zu meinem Text war positiv. Es war ein Lob, dass ich überhaupt arbeite, ohne dass sie meinen Text vorher gelesen hat. Bin gespannt auf das reflektierter Feedback.

Die Kresse ist inzwischen ein Wald. Kann ich empfehlen als Kultur.

Ich wollte mich eigentlich in ausgiebigen Tiraden über Streamer und Menschen im Allgemeinen ergehen, aber halten wir es kurz: Ich mag Menschen nur, wenn ich sie kenne und das Internet zählt nicht als Kennen. Es juckt mich wirklich in den Fingern, alle nervtötenden Sachen von denen aufzuzählen. Aber man muss auch mal verzichten.

Ich habe den angefangenen Socken wieder aufgemacht und von vorn angefangen, weil mir aufgefallen ist, dass ich mich beim Anschlag schon verzählt habe.


Ein großer Vorteil von daheim bleiben ist, dass man den ganzen Tag lang Knoblauch essen kann und meine Kollegen merken es nicht.

Unten in der Straße treffen sich öfter zwei ältere Herren, die sich wild gestikulierend unterhalten. Mir gefällt die Vorstellung, dass das die Köpfe der Mafia sind. Um genau zu sein, habe ich die beiden erst zweimal gesehen und ich bin mir nicht mal sicher, ob es die gleichen waren. Aber "Menschen treffen sich in der Straße" klingt einfach nicht spannend.
noch ein Schmetterling aus Linz! Neben ganz vielen Puppen

Morgen fahre ich in meine Wohnung, um nach dem rechten zu sehen, die Pflanzen zu gießen, falls sie noch leben, den Kühlschrank enteisen und vielleicht etwas Erde für die Blumensamen mitzunehmen. Die Mango bleibt, wo sie ist. Wenn sie noch lebt, schafft sie es auch noch mal zwei Wochen, wenn nicht, zieh ich in 1-2 Monaten oder Jahren eine neue.



Freitag, 27. März 2020

Tag 12: Ohne Sahne gibt’s Kartoffeln


Heute gab es Kartoffeln mit Speck. Eigentlich war wieder Spaghetti Carbonara geplant, aber wir hatten weder Spaghetti noch Carbonara ähm Rahm. Obers. Sahne. Kurz haben wir überlegt, ob wir (also Nikolai) noch schnell einkaufen gehen, aber wir hatten eigentlich vor, unsere Einkäufe nicht mehr so frequent zu betreiben. Also gab es Kartoffeln. Am Abend habe ich noch Kohlrabi-Fenchel-Suppe gemacht, aber das ganze schmeckt nur noch nach dem Brühwürfel, wen ich da reingeschmissen habe. Vielleicht besser so. Die zwei verbleibenden Osterhasen sind noch unangetastet.
Solang noch nicht Ostern ist: der schönste Christbaum des Jahrhunderts
Gimmick: ein Pumuckel im Baum

Ich habe heute bemüht weitergeschrieben und bin ganz zufrieden. Dieses Gefühl dauert so lang an, bis meine Chefs mir das kommentiert zurückschicken. Es ist gut, dass sie das alles auseinandernehmen, denn mir ist auch klar, dass die da mehr Übung haben. Und es fehlt immer noch die Unterbettung mit Zitaten.

Die Kresse ist über Nacht ausgetrocknet, aber eine Flutung der Untertasse hat sie erstaunlicherweise gerettet.

Viele Künstler haben ja jetzt finanzielle Probleme und da fand ich die Idee von Andy Strauß ziemlich cool. Der hat für 25 € im Monat Brieffreundschaften verkauft. Man bekommt dann einmal im Monat etwas Handschriftliches oder selbst Gemaltes. Endlich mal eine sinnvolle Investition! (Andy Strauß muss man nicht kennen)

Ich habe da nicht mitgemacht, denn ich habe schon einen Brieffreund: Meinen Neffen. Für meine Neffen wollte ich auch Socken stricken, aber da ich noch keine Antwort darauf bekommen habe, welche Schuhgröße die alle haben, habe ich mit Spiralsocken angefangen. Da strickt man keine Ferse, sondern einfach immer in Spiralen und dann sollten die Socken jedem Fuß passen. Quasi ein Sack für die Füße.

Und auch zum Thema Briefe: Nachdem ich nicht an Ostern heimfahren kann, werde ich Osterpost schreiben müssen. Ich habe eh ein paar farbige Briefkarten da, die ich dann mit Fadengraphik dekorieren möchte. Das Prinzip ist ganz einfach: Man sticht Löcher ins Papier und zieht dann den Faden durch, um ein Muster zu erzeugen. Ich hab damals ein Buch dazu gekauft, aber Vorlagen gibt es auch online.
Seuchenbild des Tages

Eigentlich könnte ich auch mal langsam beginnen, russisch zu lernen. Ich vergesse auch so schon immer alle Wörter, ohne Wiederholung wird das bestimmt noch effizienter gehen. Aber was soll ich machen? Die Frau ist schon wieder in die Lost Lands abgestürzt und muss wieder alle retten und wer soll ihr helfen, wenn nicht ich?
 
Zusammenhangsloses Urlaubsfoto aus Linz: Trinkender Schmetterling


Donnerstag, 26. März 2020

Tag 11: Der Twin Tower von Babylon


Da es ungefähr Donnerstag ist, sollte ich langsam meine Motivation zur Arbeit finden, aber mysteriöserweise fehlt sie noch immer. Am Ende des Tages war ich dann doch stolz, 3 Absätze mit halbwegs vernünftigen Sätzen gefüllt zu haben. Morgen les ich mir die anderen auch noch durch und versucht Literatur zwischen die Zeilen zu stopfen.

Ich frage mich eh, ob ich diese Publikation noch weiterverfolgen sollte, wo meine Fähigkeiten doch ganz klar wo anders liegen! Ich habe einer Dame dabei geholfen, sehr viele Rätsel zu lösen, um dadurch die vier Reiter zu vertreiben. Ich habe zum Beispiel Papier in eine magische Muschel gehalten, um damit eine Linse mit lebendigem Licht zu füllen, die ich dann gebraucht habe, um den Reiter der Dunkelheit zu übertölpeln. Ich habe die Welt gerettet! Das ganze heißt "Lost Lands" und ist erstaunlich gut gemacht. Kann ich aber nur eingeschränkt empfehlen. Du willst Zeit totschlagen? Dann ist es eine gute App. Du wolltest heute noch was erledigen und hast wenig Selbstdisziplin? Lieber nicht.

Grausame Szenen spielen sich hier ab! Zwei der Osterhasen haben den dritten bestialisch niedergemetzelt. Es gibt keine Beweisfotos, denn vom dritten Hasen ist nichts mehr übrig.

Die Kresse wächst fröhlich weiter.

Ich habe die Zeitung meines Herbars ausgewechselt und die Wohnung in eine Parkbank umgewandelt. 

Ich möchte mich in aller Form bei allen entschuldigen, die sehr geduldig mir die Grundlagen des Herbarisierens näherbringen wollten. Ich weiß, ich hätte das viel früher wechseln müssen. Aber die Hälfte der Sammlung, die noch fehlt, kann ich wahrscheinlich eh nicht sammeln. Ich hab Exkursionsverbot von meiner Arbeit bekommen.

Das Chilli war ausgezeichnet. Die übrige Hälfte haben wir (also Nikolai) eingefroren. Werden wir die eingefrorenen Reste jemals wieder ans Tageslicht zerren oder wird der Gefrierschrank ein Ort ohne Wiederkehr? Nur die Zeit wird das entscheiden können.

Nikolai hat heute zweimal gesaugt. Kann oder muss ich da etwas hineininterpretieren?

Die Tramdurchsage kam heute einmal um 11:46! Vorher gab es Durchsagen um x:08 und x:38, die sind aber vorgerutscht auf x:06 und x:36 UND dann noch die eine außerplanmäßige um 11:46!? Ich mache mir Sorgen um mich.

Heute haben wir wieder ein Schwesternsingen abgehalten. Meine Neffen haben sich Weihnachtslieder gewünscht. Ich habe heute mehr Weihnachtslieder als an Weihnachten gesungen. Das liegt nicht daran, dass wir an Weihnachten nicht singen würden, sondern daran, dass ich für letztes Weihnachten das Liederheft erstellt habe und so Juwelen wie "Dance mit de Gänse" und "In München steht ein Hofbräuhaus" untergebracht habe. Einer meiner Brüder will nun auch beim Singen einsteigen, dann wird es ein Geschwistersingen.

Wir haben inzwischen auch etwas anderes als Star Trek angeschaut und ich möchte euch "Zombieland – double tap" ans Herz legen. Der erste Zombieland war schon großartig und der zweite steht dem in nichts nach. Da kam auch ein Babylon vor, falls wieder Beschwerden über meine Überschriften kommen. Gestern haben wir noch "The Postman" angeschaut, eine Perle der Filmkunst, die fünf Goldene Himbeeren erhalten hat. Ich sage nicht "verdient", denn Twilight hätte alle Himbeeren verdient, nicht "The Postman". "Lost" mag ich im Übrigen auch nicht, aber da kann man nicht drüber diskutieren. Die Leute, die damit groß geworden sind, vergöttern die Serie, Leute wie ich, die aus dem Mittelalter stammen, wo es keinen Fernseher oder Computer gab, eher nicht. Wir haben zusammen die erste Staffel angeschaut und ich hatte die Hoffnung, dass die ganzen Charaktere, die ich im Laufe der Staffel hassen und verabscheuen gelernt habe, am Ende sterben, damit es endlich vorbei ist. Und dann wurde mir mitgeteilt, dass es weitere Staffeln gibt. Das war so grausam, wie jetzt dauernd Walking Dead unfreiwillig mitzuschauen, weil Nikolai das dauernd laufen hat. Aber wenn Nikolai unbedingt alle Serien kommentiert haben will, dann helf ich da gerne aus.

Nikolai redet noch mit mir.
Weltuntergang ist kein Grund, die Feldpflege zu vernachlässigen.


Mittwoch, 25. März 2020

Tag 10: Schneemänner aus Klopapier


Listen geben mir das Gefühl, etwas getan zu haben und mein Leben im Griff zu haben. Ich schreibe mir wöchentlich Arbeitsaufträge und unterteile diese einfach so oft, dass ich auch bei kleinsten Fortschritten stolz auf mich bin, weil ich wieder was aus der Liste streichen kann. Immerhin habe ich noch nicht angefangen, Pausen als Arbeitsaufträge zu verstehen.

Es schneit. Es ist Ende März, den ganzen Winter über gab es keinen Schnee, und jetzt schneit es?

Gestern habe ich versucht, aus Küchenrolle, Zopfgummis und einem Tacker einen Spuckschutz herzustellen. Also eine Gesichtsmaske, die Tröpfcheninfektion vorbeugen könnte. Es bietet sich an, Küchenpapier mit möglichst großen Blättern zu verwenden. Ich bin insgesamt nicht zufrieden, weil das ganze Konstrukt sehr an meinen Ohren zieht. Da brauche ich längere Zopfgummis oder weniger Gesicht.

ich habe 2 kleine Blätter verwendet und das reißt dann schnell auf


Streit des Tages: Ich lerne nicht besser kochen, weil Nikolai dauernd kocht (und abwäscht). Wir diskutieren jetzt, ob das schon eine Krise war.

Ich habe nun zwei Agarplatten aus meinen Restbeständen mit anderem Agar beimpft und hoffe nun, dass das Myzel weiter wächst und dass ich nichts kontaminiert habe.

Nachdem ich gestern vergessen habe, die Bohnen einzuweichen, gab es heute kein Chilli, sondern Gnocchi mit Bärlauchpesto. Die Bohnen schwimmen jetzt und morgen machen wir ihnen den Garaus. 
Käferbohnen

Nikolai findet, dass man getrocknete Bohnen besser aufbewahren kann als Bohnen in Konserven. Ich habe dazu keine Meinung, nachdem ich kaum Bohnen esse. Das liegt nur daran, dass ich es einfach nie zum regionalen Gemüsebauern schaffe, sondern immer im Supermarkt einkaufe. Und da kostet es mich immer viel Überwindung, nicht regional, saisonal und bio einzukaufen. Und die Bohnensaison verpasse ich wohl regelmäßig. Konserven mag ich auch nicht so gern. Was war ich da froh, als ich getrocknete Bohnen gesehen habe. Die lagen dann nicht mal ein Jahr in meinem Kühlschrank, bis sie jetzt endlich Verwendung finden. Meinen Einkaufsfimmel habe ich meinen Eltern zu verdanken. Nachdem ich in einer Gärtnerei mit dem besten Gemüse der Welt aufgewachsen bin, komme ich mit dem vergleichsweise faden Angebot im Supermarkt nicht immer klar. Tomaten aus dem Supermarkt schmecken zum Beispiel immer gleich. Dabei gibt es so viele verschiedene Tomatengeschmäcker! Die erste Tomate im Jahr, die noch sehr fest und etwas sauer ist, aber es ist die erste! Oder die sehr reifen, die einem warm im Mund zerfließen. Optimaler Weise natürlich noch sonnengewärmt und direkt von der Pflanze. Oder die Lagertomaten, die noch nachreifen und wo man bei jeder Tomate Angst haben muss, dass sie nicht mehr schmeckt. Das ist nicht unbedingt schön, aber aufregend! Jede Tomate hat es verdient, verehrt zu werden. Das andere Problem ist, dass ich auch nichts frisch kaufen will, wenn es nicht auch daheim schon wachsen würde. Dieser Punkt ist etwas dämlich, weil es im Burgenland zum Beispiel viel wärmer ist als bei uns und somit die Erntezeiten nicht die gleichen sein werden, aber ich komm da einfach nicht raus. Auf jeden Fall gibt es morgen Chilli, das wahrscheinlich wieder Nikolai kochen wird. Er hat es abgelehnt, auch Kartoffeln hinein zu geben. Da werden wir uns nie einig werden. Ich kann alles mit Tomaten und Kartoffeln essen, er offensichtlich nicht. Ja, ich habe eine leichte Obsession mit Tomaten.

Die Kresse hat sich durch die erste Lage Küchenpapier durchgearbeitet.
unten links sieht man die Wurzeln
Leider hat ein Teil der Samenhüllen schimmeln angefangen. Der Bereich wurde evakuiert und in die Krankenstation gebracht.
im grünen Untersetzer sind die Schimmelpatienten

Wir reden immer noch miteinander.

Satz des Tages: Ich hoffe, Du musstest Dich nicht allzu sehr genieren.

Jetzt noch ein Feierabendbild: Computer aus, Bier und Chips an.


Dienstag, 24. März 2020

Tag 9: Pilzzuchtbelehrung


Anfang der Woche habe ich wohl immer ein Motivationsproblem. Leider weiß ich inzwischen nicht mehr, welchen Wochentag wir haben und somit auch keine Ahnung, wann der Anfang der Woche vorbei ist. Es ist nicht nur so, dass ich nicht besonders viel für die Arbeit mache, ich mache generell nicht viel. Andererseits wundere ich mich immer, wie schnell die Zeit vergangen ist und das ist ja nicht unbedingt schlecht.

Wir haben nun genug Osterhasen, sodass wir erst mal nicht mehr einkaufen müssen.

Die Kresse wächst weiter!

Ich habe mich entschieden, den Kräuterseitling, der so schön wächst, in meiner Wohnung in einen der leeren Blumentöpfe zu stecken. Ab da ist er auf sich allein gestellt. Dann muss ich nur noch die Agarplatte verarbeiten. Damit könnte ich weitere Körner beimpfen, aber fürs erste werde ich nur versuchen, etwas vom Agar auf eine neue Platte zu verfrachten. Damit kann der Pilz weiter Myzel bilden und ich hab mehr Zeit und Platz. Daheim bei meinen Eltern habe ich auch Pilzagar stehen. Um den kümmert sich meine riesige kleine Schwester (hoffe ich). 
guter Pilzagar

Schön, aber kein Pilz

Pilzagar kann man ganz einfach selbst machen, indem man Kartoffeln kocht, zermatscht, abseiht und dann mit 1 TL Agar pro 100 mL aufkochen. Wenn der Agar am Rührbesen klebt, braucht man mehr Flüssigkeit. Alles gut durchkochen und dann in Schraubgläser 1 cm dick einfüllen. Es geht auch mit weniger Volumen im Glas, aber ich habe immer mehr Agar als mir lieb ist. Den Agar kann man dann mit einem Stückchen Speisepilz animpfen und wenn man Glück hat und halbwegs steril arbeitet, wächst da dann Myzel dieses Pilzes. Ich habe aber auch schon Hefe und Bakterienfilm produziert. Sieht auch hübsch aus. Und wenn das Myzel dann fast am Rand des Agars angekommen ist, kocht man Getreidekörner mit Wasser auf. Die Körner brauchen genug Wasser, damit die Pilze gut reinkommen, aber nicht zu viel. Bei mir ist das ca 1 L Wasser pro kg Körner, aber ich habe auch keinen Dampfdruckkochtopf. Wenn durch das Kochen alles Wasser in den Körnern ist, füllt man die Körner in sterile Gläser ein (sauber auswaschen und ich stell sie dann noch bei 120 °C in den Backofen, bis ich sie verwende). Man füllt die Gläser zu zwei Drittel, damit man noch schütteln kann. Verschlossen wird das Ganze mit den passenden, ausgekochten Deckeln, die idealerweise ein abgeklebtes Loch im Deckel haben, damit die Pilze atmen können aber nichts anderes hineinkommen kann. Wenn die Körner wieder auf Zimmertemperatur sind, kann man sie mit bewachsenem Agar animpfen – also Stückchen Agar reinschmeißen und schütteln. Das Ganze sollte dann im Dunklen aufbewahrt werden, damit das Myzel wachsen kann. Die ideale Temperatur variiert unter den verschiedenen Pilzen und Sorten. 
zu wenig Flüssigkeit -> Pilz wächst kaum

Was man dann mit den bewachsenen Körnern macht, ist eine andere Geschichte. Geerntet habe ich bisher noch nie, was aber nicht unbedingt an mir liegt, da ist mir mein Urlaub und die Pandemie dazwischen gekommen. Aber seid unbesorgt, meine Schwammerl sind in besten Händen. Daheim passt Papa und die riesige kleine Schwester drauf auf und hier in Wien die (Hobby)Gärtner meines Vertrauens. Jedenfalls kann man mit den Körnern Substrat animpfen (Körner in Substrat schmeißen und mischen). Das ideale Substrat variiert mal wieder unter den Sorten, aber gängig ist zum Beispiel Sägespäne, Pappe, Stroh, Kaffeesatz. Daheim probier ich es mit Avocadoblättern und/oder Stroh. Ich berichte über den Fortschritt, falls sich einer einstellen sollte.
Avocadobäume. Unter der Folie ist das Laub versteckt


Heute wollten wir Fischstäbchen mit Kohlrabi machen, aber den Kohlrabi haben wir etwas lang herumliegen lassen. Daraus mache ich dann morgen etwas. Stattdessen gab es Fischstäbchen mit Bohnen á la Nikolai.

Der Soletti/Kelly's Wagen ist nicht mehr zu sehen. Wir haben unsere Chance verpasst.
Eigentlich ist das ja schon interessant. Die ganze Straße hat im Erdgeschoss Läden drin, davon ca 40 % Frisöre, 30 % Juweliere, 10 % Brautmode, ein paar Super- und Drogeriemärkte und der Rest verkauft Essen. Die haben jetzt fast alle zu. Wir sehen immer wieder Leute mit Dönertüten in der Hand direkt vorm Haus. Da muss es also eine Quelle geben, aber wir sehen sie von hier aus nicht. Eigentlich werden Imbisse wie Restaurant behandelt und sollten geschlossen haben bis auf Auslieferungsdienste.

Das Wetter heute: Keine Ahnung, ich habe nicht hinausgeschaut. Ich habe auch keine Sit-ups gemacht, aber ich bin wieder in der Küche spazieren gegangen. Gleich machen wir noch einen Schwesternsingabend per Whatsapp, da werden wir bestimmt wieder "Laurentia" singen. Wenn man das singt, besagt das Grundgesetz, dass man bei jedem "Laurentia" und jedem Wochentag eine Kniebeuge machen muss. Nikolai wird wieder machtlos daneben sitzen, sich unsere Engelschöre anhören müssen und sich die ganze Zeit fragen, wieso die Genfer Konvention hier nicht greift.
Zusammenhangsloses Urlaubsfoto aus dem Linzer botanischen Garten


Da ist wieder so jemand mit lauter Musik unten in der Straße. Ich frage mich, ob sich die Selbstwahrnehmung dieser Leute geändert hat. Vom Trottel, der seine Musik nicht leise hören kann zum vermeintlichen Helden der Stunde, der dabei hilft, die Moral oben zu halten? Das einzig gute ist, dass sie mangels Verkehres auch schnell wieder weg sind. Und wie auch sonst in jeder Krise haben wir vorübergehend neue Helden: Das Krankenhauspersonal; alle Leute, die Waren und andere Leute durch die Gegend fahren; alle, die Lebensmittel etc. verkaufen; die Forscher; WG-Genossen, die man auch nach einer Woche noch erträgt. Werden Krankenschwestern und -brüder, Kassierer und Kassiererinnen deshalb mehr Lohn bekommen, wenn das alles vorbei ist? Ich bezweifle das. Noch keine Krise, die ich erlebt habe, hat das Verhalten der Leute dauerhaft geändert.

Satz des Tages: Lüg mich weiter an.

Habe soeben meine Brille geputzt und somit heute auch etwas produktives erledigt.

So ungesund das hier auch für mich ist, wenigstens trinke ich genug. Ich trinke sogar mehr Tee als Bier.
weiteres zusammenhangsloses Ulaubsfoto aus Linz: Pöstlingbergbahn


Montag, 23. März 2020

Tag 8: Kürbisbraten

Ich habe die Polizei auf Twitter zu meinem Wohnungsproblem befragt und die Antwort (ja, sie antworten) war "Klar, aber keine Öffis und Abstand halten und nach eigenem Ermessen". Interessanter Weise haben dann mehrere Unbekannte meinen Tweet geliket, was mir unverständlich ist. Haben noch mehr Menschen das Problem von ihren Pflanzen getrennt zu sein? Zu Fuß würde ich laut google 1 h brauchen, mit dem Rad 20 min. Das Rad muss ich aber 1.5 km vorher abstellen, weil es ein CityBike sein wird. Also werde ich auch mal an die frische Stadtluft kommen! 


Mein Waschbär braucht wohl auch Socken.

Den Kuchen habe ich jetzt vorsichtshalber eingefroren.

Heute gibt es Reis im Kürbis. Für den Showeffect. Eigentlich ist es Kürbisrisotto mit frittiertem Salbei. Nikolai hat wieder gekocht und es schmeckt fantastisch.


Im Internet hat wer behauptet, dass die Hälfte von uns in der Quarantäne grandiose Köche werden und die andre Hälfte Alkoholiker. "There is no in between". Anfänger. Ich schaffe auch beides!

Draußen steht wieder dieser Soletti/Kelly's Wagen. Der ist rot und blau angemalt: links blau (Soletti), rechts rot (Kelly's). Nikolai beobachtet den schon seit Monaten und jetzt ist natürlich die Zeit besonders geeignet, um hier Mundraub zu begehen. Leider wurde er von einem Waschmobil eingeparkt. Da kommt man jetzt nicht an die Chips und Salzstangen ran.

Ich hab letzte Woche uralte Sagrotantücher von daheim mitgebracht und sie sind immer noch gut. Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich die mal brauchen werde. Ich weiß noch nicht mal, wann ich die gekauft habe und warum.

Nikolai war heute wieder Osterhasen kaufen. Beim Billa haben sie jetzt Plastikwände bei den Kassen installiert um die Kassierenden zu schützen. Find ich gut.

Die Kresse keimt!


Das Kräuterseitlingmyzel hat sehr enthusiastisch die Körner durchwachsen und braucht bald neue Nahrung. Ich werde morgen wohl einen Pilztag einlegen und einen Agar beimpfen (ich habe noch welche vom letzten Mal übrig) und ein paar Gläser Körnerbrut herstellen. Das ist alles relativ einfach, wenn man einen Nikolai hat, der einem Löcher in die Schraubgläser bohrt.Die Löcher sind für die Durchlüftung da, damit der Pilz atmen kann. Damit aber nichts hinein gerät, was nicht hineingehört, kommt ein Vlies drüber.


Nikolai saugt mal wieder. Wurde aber auch echt mal Zeit! Die Lampen hat er bestimmt seit 2 Tagen nicht abgesaugt! Oder ich habe es nicht mitbekommen, ich verstecke mich immer, wenn er damit anfängt. 

Sonntag, 22. März 2020

Tag 7: Urlaub auf Bali


Ich habe am Freitag schon versucht mit meinem neuen Nadelspiel mit dem Sockenstricken anzufangen, aber irgendwie haben die Maße nicht gepasst. Alles war so winzig. Heute habe ich herausgefunden, dass R nicht für Runde, sondern für Reihe steht. Ich habe alles zusammengestrickt, statt einfach in Reihen zu stricken. Das sind nicht die ersten Socken, die ich stricke. :S Mein nächstes Versagen ereilte mich beim Fertigstellen der Socke. Froh, so schnell fertig geworden zu sein, kettete ich ab und kappte den Faden, um dann direkt festzustellen, dass einfaches Abketten zu einem sehr festen Rand führt. Niemand will Socken, die einem das Blut abschnüren. Wenn man es überhaupt schafft, den Socken noch anzuziehen. Diese falsche abgekettete Socke ist jetzt mein Behälter für Spielgeld.

Bei der nächsten Socke hab ich elastisch abgekettet (youtube sei Dank) und sie passt! Wenn ich die zweite fertig habe, plane ich Haussocken zu stricken, quasi Pantoffeln oder halbe Socken.

Bei unserem Nachbarn gibt es heute offensichtlich verbrannten Mais. Mahlzeit.

Den Kuchen sollte ich wahrscheinlich einfrieren. Und wenn ich in meiner Wohnung bin, sollte ich den Strom abdrehen. Der läuft noch, da mein Kühlschrank nicht leer ist. Aber bei einem Monat Abwesenheit kann man das schon mal ausschalten.

Während ich faul auf dem Bett herumlag und darauf gewartet habe, dass meine nächste Analyse fertig ist, hat Nikolai noch mal gesaugt und Klinken geputzt. Dann hat er Toast Hawaii gemacht. Immer, wenn jemand "Ananas" sagt, muss Nikolai "Ananas macht Hose nass" sagen. Wahrscheinlich ist er wirklich ein Android und hat komische Konfigurationen. Er hat laut überlegt, ob er einen Gegenblog anfangen solle, "Daheim bleiben 2020 – wie es wirklich war" oder ob er zumindest in den Kommentaren Dinge richtigstellen solle. Falls es so weit kommt, werde ich euch den Blog verlinken 😊

Mehrmals pro Stunde kann man Durchsagen von der Trambahnstation vorm Haus hören. Eigentlich hört man nur den einleitenden Signalton und dann Rauschen, Knacksen und eine verzerrte Stimme. Ich bilde mir ein, dass die Stimme einmal gesagt hat, dass man seine Hände waschen soll, aber sicher bin ich mir da nicht. Manchmal fahren auch Polizeiautos durch die Straße und machen ähnlich verständliche Durchsagen. Wenigstens die sorgen für die passende Endzeitstimmung. Es ist schon ruhiger geworden. Keine Menschenansammlungen nachts um 4 vorm McDonald's. Keine Sippenstreitereien auf offener Straße. Keine Motorradrennen in der Nacht. Jetzt gibt es nur noch einzelne Leute, die die ganze Straße mit ihrer Grölerei unterhalten wollen, keine Gesangsgruppen mehr. Die obligatorischen Prolls mit grauenhaftem "Musik"geschmack in ihren Autos gibt es selbstverständlich immer noch.

Zu der Frage, wie viele Sit-ups ich noch schaffe: 3 mal 20. Morgen schaff ich mehr!

Nachdem das Küchenpapier unter den Kressesamen über Nacht ausgetrocknet ist, haben die Samen jetzt einen Deckel bekommen. Ein paar Samen sehen schon so aus, als würden sie keimen.


Samstag, 21. März 2020

Tag 6: Wochenende!


Ich habe gestern zwei neue Teesorten gekauft. Drei, wenn man den Ingwer auch zählt. Vorher hatte ich fünf Sorten und das sind zu wenig für eine anständige Teerotation. Eigentlich hatte ich vor, keinen Ingwer mehr zu kaufen, da ich den nie verwende, sondern immer hoffe, dass er austreibt und dann bring ich ihn heim zu Papa und dann kann man nach einem Jahr Ingwer ernten. Nicht nur meine Mama hat Superkräfte! Mein Papa auch. Bei dem wächst alles, was man ihm in die Hand drückt. Apropos… ich sollte vielleicht mal wieder nach meiner Mango schauen. Aber die ist in unerreichbarer Ferne, in meiner eigenen Wohnung. Da wollte ich frühestens Mitte nächste Woche hin.

Heute ist das Wetter regnerisch, und das ausgerechnet am Wochenende! Falls sich jetzt wer wundert, warum ich immer so auf dem Wetter herumhacke: Weil man hier von dem Wetter nichts hat. Ich bin schon froh, dass nicht Sommer ist, wo die Hitze einen niederdrückt. Aber man kann sich hier nicht mal aus dem Fenster lehnen und Leute anpöbeln, denn es sind Fliegengitter installiert. Wir können die nasse Straße unten sehen und das wars. 

Ich habe mich früher manchmal gewundert, warum Nikolai ausgerechnet am Samstag, wenn ich den ganzen Tag da bin, Staub saugen muss. Jetzt hab ich des Rätsels Lösung! Er saugt jeden Tag.

Eigentlich hätte es heute Reis im Kürbis geben sollen, aber die Pampe von gestern war noch in den Töpfen und keiner war motiviert, etwas dagegen zu tun, bis ich um 16 Uhr das Zeug dann doch aufgewärmt habe. Bei Essenszeiten bin ich sonst sehr strikt. FRÜHstück, MITTAGessen, ABENDessen. Das hat ja einen Grund, warum das so heißt.
Pampenkunst in Schüssel

Für mein paper musste ich eine Analyse wiederholen und da das recht lange dauert und ich "kurz" Pause machen wollte, habe ich eine neue App installiert, die die Gehirnzellen möglichst wenig beansprucht und habe dann stundenlang bunte Formen zusammengefügt, bis meine riesige kleine Schwester anrief. Sie erzählte mir die lustigen Sachen, die daheim vorgefallen waren und dann behauptete sie auch noch, man könnte statt Schokolade auch Äpfel essen, wenn man eh schon nur aus Langeweile isst. Eine ungeheuerliche Hypothese! Ich zweifle stark an der Umsetzbarkeit der Studie, werde aber einen Selbstversuch starten. Gleich morgen oder so.

Gestern habe ich auch einen Anruf von Freunden bekommen, die mir auf die Nase binden mussten, dass sie in ihrem Garten demnächst grillen. Unser Nachbar hat heute auch etwas gegrillt, aber wahrscheinlich war das keine Absicht. Hat bis zu uns herüber gerochen.

Nachdem ich anfange, nachlässig zu werden (schon wieder bis zum Mittagessen im Schlafanzug!), sollte ich vielleicht jetzt etwas für meine geistige Gesundheit tun und endlich die Kresse aussäen. Natürlich erdelos, damit sie hier eine Überlebenschance haben.
Die helleren Samen rechts waren Werbegeschenke der Grünen. Das Saatgut ist unterschiedlich gut. Ich hatte Tüten, wo nichts gekeimt ist und welche, wo sie ganz gut gekeimt sind. Links die Samen hab ich im Supermarkt gekauft. Ich habe den Grünen im Übrigen immer dazu gesagt, dass ich sie eh nicht wählen darf. Sie haben mir ihr Saatgut freiwillig überlassen. Nur fürs Protokoll. [Die Kresse reicht jetzt schon]

[Die App habe ich jetzt wieder deinstalliert.]

Nikolai sagt grad, dass ich nicht andauernd an meine Posts anstückeln soll, sondern einmal am Tag was schreiben. Also werd ich das mal ab morgen so machen. Für heute wollte ich noch die Hasen-Odyssee erwähnen. Wie gesagt, ich konsumiere zu viel Schokolade und dazu zählt auch ein Osterhase der Firma Frey, welcher aus Schweizer Schokolade besteht und zu Nikolais Lieblingsschokoladen gehört. Jetzt haben wir den aufgegessen und ich habe gestern auf die Gefahr für die Hasen hingewiesen, von mir gegessen zu werden. Falls er also einen kaufen sollte, sollte er ihn vor mir verstecken. Also kaufte er keinen. Ein Fehler, den er heute bereute. Er schaute aus dem Fenster und überlegte laut, ob er noch mal rausgehen sollte, um einen solchen Hasen zu erwerben. Er machte es an den Katzen vom Nachbarn gegenüber fest. Die sitzen oft im Fenster und schauen den Leuten zu. Falls also eine Katze erscheinen sollte, würde er noch einkaufen gehen. Keine Katze erschien und er ging doch los. Bald kam er wieder. Samstags haben die Läden nur bis 18 Uhr auf und wir haben das beide vergessen. Ich hab jetzt Kuchen gebacken. Mit Kirschen drin. Wir haben sogar Sprühsahne.
Morgen schau ich dann mal, wie viele Sit-ups ich noch schaffe.