Montag, 16. März 2020

Tag 1: Horten


Nach den ausschweifenden Feierlichkeiten rund um Mamas 60sten Geburtstag bin ich Sonntagabend wieder zurück nach Wien gefahren. Ab heute werden die Grenzen kontrolliert. Dank meines Wohnsitzes hätten sie mich wohl auch heute noch reingelassen, aber man muss ja nicht alles riskieren. Nachdem ich immer noch gegen 6 aufwache und munter bin, habe ich das Haus um 7 verlassen, um an der Uni meine Festplatte zu holen und noch kurz beim Chef reinzuschauen. Außerdem habe ich das Herbar und meine Körnerbrut mitgenommen, damit ich sie bei Nikolai betütteln kann. Mit Cheffe habe ich vereinbart, wöchentlich meine Fortschritte zu schicken. In meiner Wohnung habe ich Flaschen in die Töpfe gesteckt in der Hoffnung, dass sie für eine kontinuierliche Bewässerung sorgen.


Das Grünzeug habe ich abgeschnitten und mitgenommen und 2 Radieschen waren auch erntereif. Dann habe ich noch alles eingepackt, womit ich mich beschäftigen könnte: Stifte, Bücher, Samen. Um 10 war ich wieder bei Nikolai und habe mich erst noch mal für 5 h hingelegt. Erstaunlich, wie viel ich schlafen kann. Nikolai hat Tortelloni zubereitet. Wir haben uns zusammen alle Kochbücher durchgeschaut und die benötigten Zutaten für 15 verschiedene Gerichte aufgeschrieben. Später sind wir einkaufen gegangen. Auf der Straße hat jeder brav 1m Abstand zu uns gehalten. Im Einkaufszentrum war es erstaunlich leer. Musik spielte wie immer, aber viele Geschäfte waren dunkel und es waren kaum Menschen zu sehen. Der Supermarkt war eingeräumt, nur in der Brotabteilung gab es Lücken, aber da hat Nikolai eh schon vorher genug gekauft. Wir haben viel mehr als nötig gekauft, aber ich stelle mich hier halt auf 5-6 Wochen home office ein. Meinen Chef seh ich erst nach den Osterferien wieder. Und bis Ostern bin ich zu home office verpflichtet. Wieder daheim haben wir noch im Bett rumgegammelt, aber jetzt holt Nikolai Bier. Wir haben uns schon 2 Themen überlegt, wegen denen wir uns morgen streiten können. Er hat mir vorgeworfen, das Salz mit dem Etikett zur Wand eingeräumt zu haben, was ich daraufhin auch gemacht habe. Außerdem hat er behautet, dass Queen nicht die großartigste Band aller Zeiten ist. Eine gute Grundlage, wie ich finde. Das Bier brauchen wir für die grausligen Filme, die wir anschauen werden. Da ist er wieder, mit 12 L Bier, Ottakringer.



Eigentlich muss ich ja eh arbeiten, aber Überstunden werden für die 5-6 Wochen nicht gewertet, also reichen 30 h in der Woche. Es schadet also nicht, sich weitere Daheim-Pläne zu machen. Für meine psychische Gesundheit habe ich Samen mitgebracht. Kresse kann ich auch ohne Erde anbauen, das geht also auch bei Nikolai. In der allergrößten Not kann ich sicher auch Töpfe draußen im Gang aufstellen. Dafür müsste ich aber in meine Wohnung und das wollte ich vorerst vermeiden. Sobald ich die Töpfe habe, kann ich die Samen vorziehen und dann pikieren. Ich habe außerdem Bücher von Astrid Lindgren, die ich Nikolai vorlesen wollte. Und jetzt kann ich auch mal World of Warcraft ausprobieren. Ich habe ein Magazin über Sockenstricken gekauft, um Babysocken zu stricken. Oder normale Socken, falls Nikolai dann ausflippt. Nein, akut sind keine Kinder geplant. Ich habe auch Zutaten für einen Schoko-Kirsch-Sahne-Kuchen. Russisch könnte ich auch lernen. Und dann gibt es noch unsere Singabende. Langweilig wird mir hoffentlich erst mal nicht. Falls doch, könnte ich auch an einem Anbauplanerprogramm arbeiten.

Wir waschen uns immer die Hände, wenn wir in die Wohnung kommen und ich wasch mir dann auch das Gesicht. Den Infekt neben dem Auge habe ich noch, aber ich habe was Desinfizierendes draufgeschmiert. Jetzt ist es lila statt rot, was man als Fortschritt werten kann. Dank Nikolais Feuchtigkeitscreme fühlt sich meine Haut auch wieder weicher an. Die Woche draußen in Wind und Wetter hat mich schon gegerbt.

Erledigte Arbeit heute: Herbar umgelegt; Emails gecheckt; Daten aus der Uni geholt. Arbeitsaufwand: 3-4 h. Eigentlich eh schon mal kein schlechter Anfang.

Herbar ohne Presse

Sobald ich nicht mehr so müde bin, fang ich dann auch mal an, mein paper auszubessern. Meine Cheffin hat das eh schon komplett durchgelesen und kommentiert. Das einzige Problem, das ich momentan sehe, ist das Sportdefizit. Viel Platz hat man hier nicht auf Nikolais 36 Quadratmeter. Für Liegestützen würde es reichen. Der Sitzball wäre jetzt nicht schlecht, aber den trage ich nicht durch Wien.

Snack des Tages: Rumkugeln. Sind leider bald alle.
Neues Streitthema: Ich habe keinen Passwortmanager und vergesse immer meine Passwörter. Eigentlich wäre ja jetzt Zeit zum Einrichten.

Nachtrag: Am Abend haben wir Jurrasic Park angeschaut und uns bei zwei Bier die Kante gegeben.

2 Kommentare:

  1. Ich habe seit 45 Jahren ein Sportdefizit und ich bin immer noch grün.
    Glaub mir, das ist kein Problem...

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    1. Ich neige dazu, schnell fett zu werden, wenn ich zu viel essen und/oder zu wenig Sport mache. Da ich sehr gerne esse, ist Sport also wichtig für mich, wenn ich mich nicht rollend durch das Leben bewegen möchte.
      Tatsächlich fehlt mir auch konkret das Kampfsporttraining. Das hat echt Spaß gemacht bei Ju Jutsu mit dem Treten und Schlagen :D

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