Donnerstag, 19. März 2020

Tag 4: Schon wieder strahlender Sonnenschein


Meine Motivation reicht nicht aus, um vor 8 arbeiten anzufangen. Aber für ein Gourmetbutterbrot! Neben Butter und Kräutersalz hat sich auch noch Schnittlauch auf das Frühstücksbrot geschlichen. Das Kräutersalz hab ich von Mama. Das wünsch ich mir immer zu Weihnachten und weil ich so brav bin, krieg ich es auch. Mama trocknet das ganze Jahr über Kräuter und dann zerhäckselt und mixt sie die mit Salz. Die Mischung wird jedes Jahr fantastisch, aber nie zweimal gleich, weil die Kräuter immer unterschiedlich gut wachsen. Chilipulver macht sie auch. Da kann man dann nie die Küche betreten, weil das Chili in der Luft herumwabert und alle Schleimhäute angreift, die es findet. Nur weil Mama irgendwelche Superkräfte hat, kann sie das verarbeiten.

Ich mache mir Sorgen, aber keine, die Schokolade nicht verdrängen könnte. Wenn ich pro Schokoladenstück ein Liegestütz machen würde, wäre noch viel Schokolade übrig. Ich bin ganz schlecht im Liegestützen machen. Ich bin mehr so der Bauchmensch. Ich kann essen und Sit-ups machen.

Solange haben Nikolai und ich noch nie aufeinander geklebt. An normalen Arbeitstagen bin ich 10-12 h außer Haus und eine eigene Wohnung habe ich ja auch. Unser Urlaub beschränkte sich auf kurze Ausflüge und Familienbesuche. Nach 4 Tagen in seiner Wohnung leben wir beide noch und reden miteinander. Den geb ich nicht mehr her.

Satz des Tages: Karneval ist schlimmer als Italien.

Gerade war die Polizei unten in der Straße und hat per Lautsprecher "Bitte gehen Sie nach Hause" durchgesagt.

Mein Herr Gemahl macht seit Wochen Agapenwitze. "Du bist meine Agape in der Brandung." - "Lass uns einen Agapenbaum kaufen." – "Hast Du Agapenöl verwendet?". Er war ganz aus dem Häuschen, als wir einmal in Maria Enzersdorf waren (in der Nähe ist der erste Wohnsitz der Liechtensteins, Burg Liechtenstein) und zufällig ein Gasthofschild erblickten, welches Agapen verhieß. Leider haben wir das Gasthaus selbst nicht gefunden, geschweige denn eine Agape. Die Burg Liechtenstein ist aber einen Besuch wert. Oder zumindest der Hügel, auf dem sie steht. Wir waren jetzt schon dreimal dort und haben jedes Mal etwas anderes entdeckt. Beim letzten Mal war es die Graml-Toni-Höhle. Anscheinend hat dort mal ein Mann gehaust, der wohl unschuldig 20 Jahre im Gefängnis saß und dann nicht ins gesellschaftliche Leben zurückgefunden hat. Hat auch Vorteile, wenn man sich nicht vorher informiert, wo man hinfährt.

Heute kochte Nikolai. Es gab Rindersteak mit Speckbohnen. Das Fleisch hat er bei Zimmertemperatur warm werden lassen. "Slow cooking" nennt er das. Am Ende war das Essen aber doch wärmer als die Umgebung. Seinen EIStee inkubiert er auch bei Raumtemperatur.

Ich frage mich, wen von uns die Isolation härter trifft: Ich kann nicht mehr raus, hab aber ganz viel Zeit zum Kochen; Er kann den ganzen Tag vorm Computer hängen und schlafen, solang er will, aber McDonald's hat zu.

Schokolade löst zwar all meine Probleme, aber ich sollte weniger Schokolade essen.


Jedes Mal, wenn ich kurz davor bin, meinen Laptop gegen die Wand zu klatschen, weil er so langsam und klein ist, stelle ich mich ans Fenster und beobachte ein paar Minuten die Straße. Auch wenn da relativ viel los ist, langweilt mich das schnell. Daheim, in dem Kaff, in dem ich aufgewachsen bin, habe ich Stunden damit verbracht, auf dem Küchentisch sitzend durch das Fenster auf die Straße zu starren – unser Haus steht am Ende einer Sackgasse. Demensprechend war da eigentlich nie was los, aber es war immer noch spannender als die Straße, die ich jetzt zur Verfügung habe. Das hängt wahrscheinlich mit meinen emotionalen Bindungen und meinen Erfahrungen mit der Straße zusammen. Einmal ist zum Beispiel ein Polizeiauto mit Blaulicht die Straße runter gerauscht, sodass ich mich automatisch fragte, was ich verbrochen haben könnte, aber ich hatte nicht mal eine Hanfplantage. Ich wollte immer Hanf vor der Polizeistation ausstreuen, aber das ist eine andere Geschichte. Das Polizeiauto hielt auf jeden Fall direkt vor unserem Haus an… und dann stiegen die Polizisten ganz gemütlich aus und schlenderten zu unserem Nachbar. Später hat sich herausgestellt, dass unser Nachbar Ärger mit einem anderen Nachbarn hatte und das ist wohl eskaliert, aber so eine Action hatten wir nie wieder. Hier rasen dauernd Polizisten mit Blaulicht und Signalhorn durch, aber es ist viel unpersönlicher. Keine Ahnung, wohin und warum sie fahren und auch keine Nachbarn, mit denen man später darüber lästern kann.


Heute gibt es Star Trek oder irgendwelche Pseudoalternativen.

Erkenntnis des Tages: mit einer Rundstricknadel kann ich keine Socken stricken.

6 Kommentare:

  1. Mein Laptoperlebnis heute:
    Ich bin ganz oft mit meinem Laptop hin und hergelaufen, weil das Internet recht unregelmäßig vorhanden war

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  2. Weil Du grad Pseudoalternativen zu Star Trek erwähnst: Kennst Du eigentlich "The Orville"? Wenn nicht, sag Nikolai unbedingt, dass er das mal besorgen soll. Im Gegensatz zu Picard und Discovery ist das nämlich echt guter Pseudo Star Trek.

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    1. Jaaa! Orville ist großartig! Da haben wir leider schon alle Episoden angeschaut. "Can you open this jar of pickles for me?" Der Vorrat an Star Trek Filmen und Serien scheint schier unerschöpflich. Ich habe als Gegenvorschlag "Aang, the last Airbender" eingebracht, aber ich zweifle daran, dass ich in den nächsten Wochen dem Star Trek Imperium entkommen kann.

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  3. Diese Straße....






    Ich brauch mehr Informationen












    Mach noch einen Straßenblog

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    1. Das ist eine gute Idee. Ich habe eh schon überlegt, was ich machen soll, wenn ich nicht mehr daheim bleibe.

      Heute habe ich unten beim Frisör einen Mann mit Affenmaske gesehen. Ich dachte erst, er betriebe black-facing, aber nein, einfach nur ein "Rebell", der die Mund-Nasen-Schutz-Masken boykottiert.

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