Samstag, 11. April 2020

Tag 27: Kartag 2


Ich hab wieder schlecht geschlafen, was sich schnell und massiv auf meine Tagesstimmung auswirkt. Ich träume sehr seltsame Dinge und wenn ich mich dann auch noch daran erinnere, schlaucht das ziemlich. Heute hab ich erst geträumt, dass jemand wutentbrannt neben mir herumtrampelt. Dann war ich ein Flugzeug und bin angestürzt. Der Aufprall war sehr laut und ging in ein Geräusch über, als würde jemand mit beiden Fäusten auf seine Tastatur eindreschen. Kann ich nicht einfach schöne Dinge träumen? Blumenwiesen, Gemüsebeete, solche Sachen? Das Flugzeug im Traum kam wahrscheinlich aus dem Film, den wir am Abend angeschaut haben. Con Air oder so. Die Handlung: Ein sehr schlecht organisierter Haufen von Polizisten soll einen Haufen sehr brutaler Verbrecher von a nach b schaffen.  In einem Flugzeug. Die Verbrecher kapern das Flugzeug und am Ende sind viele tot. Der "Held" ist jemand, der leicht die Fassung verliert und dann andere Menschen erschlägt. Eigentlich mag ich Filme, wo sie sich gegenseitig verdreschen, aber das war mir dann doch alles zu brutal. Es gibt viel Feuer und Schießereien und absurde Tode. Keine Charakterentwicklung, keine Menschen, für die man Sympathien entwickelt und sehr viele unlogische Vorkommnisse. Ein guter Film für Saufspiele, sofern man eh schon betrunken ist.

Für den Pinzenteig hab ich das Internet durchforstet bis ich dachte, ich hätte ein geeignetes Rezept gefunden. Auf halben Weg stellte ich fest, dass 6 Eigelb verwendet werden sollten, was ich kategorisch ablehne. Das bedeutet nur wieder mehr Arbeit, wenn ich die 6 Eiweiß dann verarbeiten muss. Nein danke, nicht mit mir. Ab da habe ich dann improvisiert. Den Teig habe ich den ganzen Tag gehen lassen und immer wieder heruntergeknetet. Dazu bestand keine Notwendigkeit, aber es hat den Vorteil, dass man dann den ganzen Tag lang Teig naschen kann. Die Pinzen (oder Prinzen, wie mein Neffe sagte) sind etwas schwärzer als unbedingt notwendig geworden, aber ich werde sie wahrscheinlich eh alleine essen, also egal. Nikolai isst keinen Kuchen, und süße Semmeln sind ja fast Kuchen. Verschenken ist auch schwierig gerade mit der Pandemie.

Ich habe den ganzen Tag über analysiert und Graphiken verbessert. Ich hasse meinen Laptop mal wieder dafür, dass er so klein ist.

Zu Mittag gab es heute Camembert. Aufgebacken und mit Panade.

Dann wurde es Zeit für das Osterlamm. 

Stellt sich heraus, ich habe doch Lebensmittelfarbe daheim – die hatte ich für die Plätzchen zu Weihnachten gekauft. Als erstes habe ich also die Bauchwunde des Lamms versorgt. 

Dann hat es Fell bekommen. Die Augen sind ganze Nelken (auch gut zum Betäuben im Mundraum). 

Und schließlich braucht jedes Osterlamm so eine komische Fahne (kein Alkohol) im Rücken. Ich habe genau einen Korb und der ist genau auf ein Lamm ausgelegt. Das restliche Zeug, also Eier, Schinken und Salz, quetsche ich morgen früh dazu. Daheim haben wir immer so einen Korb in die Messe mitgebracht, damit der Pfarrer mit seiner Klobürste Weihwasser draufsprenkeln konnte. Da gehört Brot (das Lamm), Fleisch (das Lamm oder Schinken), optional Eier und Salz rein.
Für den Osterkorb habe ich die guten weißen Servietten mit dem Blumenmuster genommen.
Das kann ich dann auch allein essen. Fällt auch unter Kuchen.

Ich bin mit dem ganzen Brimborium aufgewachsen und für mich gehört das alles dazu. Nikolai sieht Ostern nur als 1-2 zusätzliche Feiertage, wo die Geschäfte nicht offen haben. Hat er mich doch echt vorher gefragt, ob er Pinzen essen darf. Klar, aber erst morgen, meinte ich. Habe dann relativiert. Er muss da ja nicht mitmachen. Und ernst genommen habe ich meine eigenen Regeln nicht. Ich habe seit 4 Wochen Osterhasen und Eier gegessen. Ich würde mich freuen, wenn ich morgen mit meinen Eltern frühstücken könnte. Wie schon mal erwähnt, das ist das erste Mal, dass ich an Ostern nicht daheim bin. Ostern daheim ist eine Menge Arbeit vorher mit den ganzen Lämmern die man backen und Eier, die man färben muss. Und die grauslige grüne Suppe am Gründonnerstag! Das ist ein Übersetzungsfehler mit grün! Aber am Ostersonntag quillt dann der Tisch über mit dem besten Essen, das man sich vorstellen kann! Endlos viele Eier (oder auch mal weniger, wenn Mama mehr verkauft hat als erwartet), der beste Räucherschinken, Mamas Kräutersalz, viele verschiedene Käsesorten, Kaffee und Tee und die beste Gesellschaft. Sonntagmorgen kommt immer das Sonntagshuhn im Radio und an Ostern ist das eine besonders lange Sendung. Wir dachten früher, dass Papa das wegen uns immer anschaltet, aber er hört es auch ohne Kinder im Haus. Daheim essen ist immer etwas besonderes. ... Ich hatte ungelogen ein Jahr lang Heimweh, nachdem ich ausgezogen bin. Die Sehnsucht nach Hause holt mich jetzt auch wieder ein. 
Vielleicht kann ich ein paar davon am Dienstag in mein neu errungenes Beet übersiedeln

Nach getaner Arbeit habe ich mich hingelegt, Ich bin echt noch sehr müde. Aber jetzt geht es weiter mit meinen Daten. Und dann ohne Bier und ohne komische Filme ins Bett, vielleicht bin ich dann morgen auch mal wach.

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