Samstag, 23. Mai 2020

Tag 68: Russisches Abendessen


Heute wollten wir eigentlich nach Baden fahren, aber es regnete. Wir verschieben diese Pläne auf morgen. Das liegt nicht an unserer Angst vor Wasser, sondern daran, dass ich Pflanzen sammeln will und da ist es besser trocken.

Stattdessen sind wir daheim geblieben und Nikolai hat Steak mit Kartoffelsalat (natürlich auf Mayonnaise-Basis) gemacht.

Da der Joghurt aus war, mussten wir noch einkaufen gehen. Ich bin dabei vor dem Fischregal gestrandet und mir fiel der Kaviar ins Auge. Nur im übertragenen Sinn. Ich bin Brillenträger, was solche Inzidenzen unwahrscheinlich macht. Da ich die Frage "Warum nicht?" wie immer nicht beantworten konnte, beschlossen wir nach langer Inspektion der Auslage, einen Forellenkaviar zu probieren. Das war auch das kleinste Glas. Dazu brauchten wir noch Brot, also haben wir auch in die Backabteilung geschaut und ein sehr gutes, noch warmes Stangenbrot gefunden. Das Brot duftet jetzt noch vorzüglich.

Abends gab es dann Kaviar auf Butterbrot mit Wodka. Der Wodka stammt – entgegen Eurer Erwartung – nicht aus Russland. Den russischen habe ich schon lang geleert. Nein, das war Berliner Wodka aus der Preußischen Spirituosen Manufaktur. Wenn es Euch mal nach Berlin verschlägt, müsst ihr da unbedingt vorbeischauen. Sie haben einen Vertrag unterschrieben, dass sie Leute ausbilden und den entstandenen Alkohol nicht gewinnbringend, sondern quasi zum Selbstkostenpreis anbieten. Die Liköre sind exzellent und wirklich billig für ihre Qualität. Außerdem durften wir uns durch das Sortiment durchprobieren und das Sortiment ist groß. Am Ende der Verkostung habe ich zwei Liköre gekauft, Rose und Quitte, die ich zu Weihnachten meiner Familie kredenzte. Eine Flasche verblieb bei meinen Eltern, die andere bei meiner Tante. Ich sollte mal nachschauen, ob auch regelmäßige Qualitätskontrollen durchgeführt wurden. Andererseits erinnere ich mich düster, dass ich den bei meiner Tante selbst leergetrunken haben könnte… Auf jeden Fall bekam ich als Dreingabe noch ein kleines Fläschchen Wodka dazu, welches nun endlich zu seinem Einsatz kam.

Kaviar schmeckt wie Fisch, unserer nach Lachs oder Forelle. Durchaus schmackhaft, aber es ist ökonomischer, gleich den Fisch anstatt dessen Eier zu erwerben. Aber Kaviar hat den coolen Nebeneffekt, dass er aus lauter kleinen Kügelchen besteht (Eier halt), die man am Gaumen zerplatzen lassen kann. So wie die komischen Bubble Tea Kugeln, nur geschmacklich besser.

Nikolai hat dazu wie zu jedem Essen passende Musik aufgelegt. Las Vegas Crooner Musik. Also Jazz. Sonst gibt es immer DDR-Lieder oder Koreanische Propagandamusik. Nikolai ist da sehr vielseitig.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich mit meinen Russen noch nie Kaviar gegessen habe und ich habe immerhin in den letzten drei Jahren je 3 Wochen 24/7 mit denen verbracht.





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