Nachdem mein kleiner Bruder bald Geburtstag hat, bin ich
losgezogen, um Sachen für sein Paket zu besorgen. Zum Glück habe ich eh
letztens Seifenblasen gekauft. Eigentlich waren die für mich, aber ich teile ja
gerne. Ich habe auch Plätzchen gebacken. Papa würde sagen, dass sie an Omas
Schnitzkünste erinnern. Man kann damit Häuser bauen. Zumindest zermatschen sie
nicht auf der Reise.
Eine Karte habe ich ihm auch noch gemacht mit ganz vielen leicht
asymmetrischen Formen drauf.
Abends haben wir dann noch Star Trek angeschaut. In einer
Episode hat Jean-Luc Picard einfach mal ein paar Leute umgebracht. Sie waren
natürlich ganz gemeine Mülldiebe, die es nicht anders verdient haben, aber es
wurde nicht mal danach diskutiert, ob das ok war oder nicht. In der nächsten
Episode hat er sich dann verliebt und es war den beiden zu viel Stress, sodass
sie sich dann wegversetzen hat lassen.
Am schlimmsten war aber die dritte
Episode. Darin haben sie und Klingonen und Romulaner und Cardassians DNA-Sequenzen
aus der ganzen Galaxie gesammelt, die dann, als alle zusammengesammelt waren,
eine Projektion erschaffen haben, die den Anwesenden erklärt hat, dass sie alle
von der selben Spezies abstammen, und dass diese Spezies überall Lebewesen
ausgesetzt hat, um das All zu bevölkern. Das das mich auf so vielen Ebenen verärgert.
Erst mal die DNA-Sequenzen: Sie haben diese Sequenzen künstlich in die DNA von
Lebewesen eingefügt, damit irgendwann diese Projektion abgespielt werden kann,
wenn die Sequenzen alle zusammen gesammelt sind. Und die DNA ist dann angeblich
4 Milliarden Jahre lang nicht mutiert. Das geht eigentlich nur, wenn die
Sequenz lebensnotwendig ist und Mutanten mit auch nur einer Base Unterschied
direkt nicht mehr lebensfähig oder zumindest reproduktionsfähig sind. Aber
nachdem die DNA künstlich eingefügt wurde in schon bestehende Lebewesen, ist
das seeeehr unwahrscheinlich.
Pro Planet wurden Lebewesen mit der selben
künstlich eingebrachten DNA-Sequenz ausgesetzt. Die Forscher müssen also
theoretisch alle (oder zumindest viele) Lebewesen finden, beproben und die DNA vergleichen,
um eine Sequenz zu finden, die überall identisch ist.
Die so gefundenen DNA-Sequenzen
kann man dann kombinieren durch eine "protein link compatibility".
Keine Ahnung, was das heißt. Dass man die Sequenzen mit Proteinen
zusammenkleben kann? Welche Proteine? In einer wunderschönen Animation werden dann
auch alle Sequenzen irgendwie zusammengeklebt. WTF.
![]() |
| Erst sind alle Sequenzen ordentlich aufgelistet, dann werden sie wild aneinander geklebt |
![]() |
| Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Punkte die Protein-Brücken, die die DNA-Sequenzen zusammenkleben. |
Dabei kann man ja wirklich mit DNA Programme schreiben. Man hat halt vier Zustände (vier Basen, A, T, G und C), nicht nur zwei (0 und 1). Wieso so ein dummer, unlogischer Umweg über Proteinbrücken, die man halt überall hinbauen könnte?
Auf jeden Fall hat ihnen
dann nur noch eine Sequenz gefehlt und alle sind losgedüst zum letzten Planeten,
wo sie sich nicht einigen konnten. Deshalb haben die vom der Enterprise (die
Guten) dann heimlich eine Probe genommen, indem sie etwas von der Wand gekratzt
haben, in der Hoffnung, dass die Versteinerung noch nicht abgeschlossen ist und
noch genug DNA zu finden sei. Tatsächlich musste Jean-Luc Picard dann nur das Glas
mit der Probe auf sein Tricorder (ein Allzweckgerät) legen, woraufhin die DNA gelesen
wurde (keine Ahnung, wie), die richtige Sequenz gefunden wurde (keine Ahnung,
wie -ohne Vergleichsgenome- und warum die Sequenz noch intakt war und nicht
mutiert) und die Sequenz zu den anderen hinzugefügt wurde, ohne dass man noch
irgendwas hätte machen müssen. Toll, diese Technik.
Dann kam eben die Projektion. Und auch die Quintessenz der
Episode stört mich. Natürlich ist jetzt geklärt, warum alle Gegenspieler und
Verbündeten der Föderation sehr ähnlich wie Menschen ausschauen, nämlich weil
wir alle von der gleichen Art abstammen. Ich dachte bis gestern, dass es
einfach daran liegt, dass sie nicht noch mehr Aufwand in der Maske wollten. Ich
hätte gehofft, dass in Star Trek mehrere Lebensformen unabhängig voneinander
entstanden wären. Aber nein, es gab nur die eine Urform, die es für nötig
befand, überall ihre Gene zu verteilen.
Etwas befremdlich ist, dass die Planeten vor vier Milliarden
Jahren besiedelt wurden, Menschen aber erst seit ca 300 000 Jahren existieren.
Und wenn wir weiter zurück gehen: selbst Wirbeltiere gibt es erst seit ca 500
Millionen Jahre. Vor vier Milliarden Jahren gab es noch nicht mal Zellen mit
Kernen drinnen. Es ist auch relativ unmöglich, dass potenziell ausgesetzte
menschliche Lebensformen die Atmosphäre überlebt hätten, die vor vier Milliarden
Jahren existiert hat.
Anscheinend haben sie auch gar nicht Humanoide ausgesetzt,
sondern nur besagte konservierte DNA jeweils in die Ursuppe gekippt und dann
gewartet, was passiert. Es ist schon sehr unwahrscheinlich, dass dann auf allen
Planeten Humanoide entstehen. Wir sprechen hier von der Entwicklung von Zellen
ohne Zellkernen zu Zellen mit Zellkernen und dann zu Pflanzen und Pilzen und
Tieren und Bakterien und allem anderen. Wieso hat sich dann auf allen Planeten
unsere Evolutionsgeschichte abgespielt, wo auch Pflanzen und Tiere entstanden
sind und wo die menschliche Lebensform am Ende dominiert? Wäre es nicht
wesentlich wahrscheinlicher, dass zB irgendwo nur Bakterien leben? Woher
konnten sie überhaupt wissen, dass dort Leben entstehen wird und lang genug überdauern wird, um mal alle Sequenzen zusammen zu suchen?
Und wenn man von dem allem mal absieht und einfach davon
ausgeht, dass unsere ganze bisherige Forschung einfach nicht richtig war: Wieso
zum Henker ist in der Starfleet niemand auf die Idee gekommen, die DNA ihrer
Besatzung mal zu untersuchen? Überhaupt hätte es irgendwem mal auffallen sollen,
dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle den gleichen Organismus haben
mit DNA als Träger der Erbgutinformation. Und auch dass es immer wieder
Mischlingskinder gibt, ist ein starkes Indiz, dass die Verwandtschaft recht nah
ist zwischen den verschiedenen humanoiden Lebensformen. Anscheinend machen wir
in Zukunft Rückschritte in der Forschung.
Diese Episode hieß übrigens "The Chase" und ich
musste natürlich direkt an "The chase is better than the catch"
denken. Perlen der Musikgeschichte.
Ich wünschte, ich könnte so viel Text in so kurzer Zeit für meine Doktorarbeit schreiben.


Hahaha, wenn ich Dir einen Doktortitel für den Text geben könnte, würde ich das sofort tun <3
AntwortenLöschenIch liebe TNG wegen den Figuren, aber aus wissenschaftlich Sicht ist da schon einiges an den Haaren herbeigezogen..
Sehr gut fand ich auch die Episode, wo Worf und Troi zu Reptilien de-evolvieren (ist das ein Wort?), weil alle ihre stillgelegten Gene aktiviert werden.
Ich glaub Crusher hat in irgendeiner Episode auch mal eine Zentrifuge mit nur einer Probe drin laufen lassen ^^
Crusher, the chrusher of centrifuges!
Löschen:D :D :D
LöschenDieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenAlso ich hab nochmal nachgelesen, was in der Episode passiert: Worf deevolviert zum Höhlenmenschen, Troi zur Amphibie und Datas Katze Spot zum Iguana, weil durch synthetische T-Zellen alle ihre Introns aktiviert werden. (https://en.wikipedia.org/wiki/Genesis_(Star_Trek:_The_Next_Generation). Die Folge ist wirklich gut. :D
AntwortenLöschenDas klingt spannend! Die T-Zellen haben also sämtliche Körperzellen invadiert? Wow. Die Folge hatten wir noch nicht, deshalb werde ich mich nicht weiter einlesen. Ich berichte dann.
LöschenGah, schon wieder komisches Layout. Egal, ich lass das jetzt so.
AntwortenLöschenSehr gute Analyse der wissenschaftlichen Ungenauigkeiten 😃👍 und ohne es zu sehen, hab ich das Gefühl Star Trek mitzuschauen 😂👌
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