Sonntag, 10. Mai 2020

Tag 54: Wieder Wochenende!


Nachdem mein kleiner Bruder bald Geburtstag hat, bin ich losgezogen, um Sachen für sein Paket zu besorgen. Zum Glück habe ich eh letztens Seifenblasen gekauft. Eigentlich waren die für mich, aber ich teile ja gerne. Ich habe auch Plätzchen gebacken. Papa würde sagen, dass sie an Omas Schnitzkünste erinnern. Man kann damit Häuser bauen. Zumindest zermatschen sie nicht auf der Reise.

Eine Karte habe ich ihm auch noch gemacht mit ganz vielen leicht asymmetrischen Formen drauf.

Abends haben wir dann noch Star Trek angeschaut. In einer Episode hat Jean-Luc Picard einfach mal ein paar Leute umgebracht. Sie waren natürlich ganz gemeine Mülldiebe, die es nicht anders verdient haben, aber es wurde nicht mal danach diskutiert, ob das ok war oder nicht. In der nächsten Episode hat er sich dann verliebt und es war den beiden zu viel Stress, sodass sie sich dann wegversetzen hat lassen. 

Am schlimmsten war aber die dritte Episode. Darin haben sie und Klingonen und Romulaner und Cardassians DNA-Sequenzen aus der ganzen Galaxie gesammelt, die dann, als alle zusammengesammelt waren, eine Projektion erschaffen haben, die den Anwesenden erklärt hat, dass sie alle von der selben Spezies abstammen, und dass diese Spezies überall Lebewesen ausgesetzt hat, um das All zu bevölkern. Das das mich auf so vielen Ebenen verärgert. Erst mal die DNA-Sequenzen: Sie haben diese Sequenzen künstlich in die DNA von Lebewesen eingefügt, damit irgendwann diese Projektion abgespielt werden kann, wenn die Sequenzen alle zusammen gesammelt sind. Und die DNA ist dann angeblich 4 Milliarden Jahre lang nicht mutiert. Das geht eigentlich nur, wenn die Sequenz lebensnotwendig ist und Mutanten mit auch nur einer Base Unterschied direkt nicht mehr lebensfähig oder zumindest reproduktionsfähig sind. Aber nachdem die DNA künstlich eingefügt wurde in schon bestehende Lebewesen, ist das seeeehr unwahrscheinlich. 

Pro Planet wurden Lebewesen mit der selben künstlich eingebrachten DNA-Sequenz ausgesetzt. Die Forscher müssen also theoretisch alle (oder zumindest viele) Lebewesen finden, beproben und die DNA vergleichen, um eine Sequenz zu finden, die überall identisch ist. 

Die so gefundenen DNA-Sequenzen kann man dann kombinieren durch eine "protein link compatibility". Keine Ahnung, was das heißt. Dass man die Sequenzen mit Proteinen zusammenkleben kann? Welche Proteine? In einer wunderschönen Animation werden dann auch alle Sequenzen irgendwie zusammengeklebt. WTF. 

Erst sind alle Sequenzen ordentlich aufgelistet, dann werden sie wild aneinander geklebt


Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Punkte die Protein-Brücken, die die DNA-Sequenzen zusammenkleben. 

Dabei kann man ja wirklich mit DNA Programme schreiben. Man hat halt vier Zustände (vier Basen, A, T, G und C), nicht nur zwei (0 und 1). Wieso so ein dummer, unlogischer Umweg über Proteinbrücken, die man halt überall hinbauen könnte? 

Auf jeden Fall hat ihnen dann nur noch eine Sequenz gefehlt und alle sind losgedüst zum letzten Planeten, wo sie sich nicht einigen konnten. Deshalb haben die vom der Enterprise (die Guten) dann heimlich eine Probe genommen, indem sie etwas von der Wand gekratzt haben, in der Hoffnung, dass die Versteinerung noch nicht abgeschlossen ist und noch genug DNA zu finden sei. Tatsächlich musste Jean-Luc Picard dann nur das Glas mit der Probe auf sein Tricorder (ein Allzweckgerät) legen, woraufhin die DNA gelesen wurde (keine Ahnung, wie), die richtige Sequenz gefunden wurde (keine Ahnung, wie -ohne Vergleichsgenome- und warum die Sequenz noch intakt war und nicht mutiert) und die Sequenz zu den anderen hinzugefügt wurde, ohne dass man noch irgendwas hätte machen müssen. Toll, diese Technik.

Dann kam eben die Projektion. Und auch die Quintessenz der Episode stört mich. Natürlich ist jetzt geklärt, warum alle Gegenspieler und Verbündeten der Föderation sehr ähnlich wie Menschen ausschauen, nämlich weil wir alle von der gleichen Art abstammen. Ich dachte bis gestern, dass es einfach daran liegt, dass sie nicht noch mehr Aufwand in der Maske wollten. Ich hätte gehofft, dass in Star Trek mehrere Lebensformen unabhängig voneinander entstanden wären. Aber nein, es gab nur die eine Urform, die es für nötig befand, überall ihre Gene zu verteilen.

Etwas befremdlich ist, dass die Planeten vor vier Milliarden Jahren besiedelt wurden, Menschen aber erst seit ca 300 000 Jahren existieren. Und wenn wir weiter zurück gehen: selbst Wirbeltiere gibt es erst seit ca 500 Millionen Jahre. Vor vier Milliarden Jahren gab es noch nicht mal Zellen mit Kernen drinnen. Es ist auch relativ unmöglich, dass potenziell ausgesetzte menschliche Lebensformen die Atmosphäre überlebt hätten, die vor vier Milliarden Jahren existiert hat.

Anscheinend haben sie auch gar nicht Humanoide ausgesetzt, sondern nur besagte konservierte DNA jeweils in die Ursuppe gekippt und dann gewartet, was passiert. Es ist schon sehr unwahrscheinlich, dass dann auf allen Planeten Humanoide entstehen. Wir sprechen hier von der Entwicklung von Zellen ohne Zellkernen zu Zellen mit Zellkernen und dann zu Pflanzen und Pilzen und Tieren und Bakterien und allem anderen. Wieso hat sich dann auf allen Planeten unsere Evolutionsgeschichte abgespielt, wo auch Pflanzen und Tiere entstanden sind und wo die menschliche Lebensform am Ende dominiert? Wäre es nicht wesentlich wahrscheinlicher, dass zB irgendwo nur Bakterien leben? Woher konnten sie überhaupt wissen, dass dort Leben entstehen wird und lang genug überdauern wird, um mal alle Sequenzen zusammen zu suchen?

Und wenn man von dem allem mal absieht und einfach davon ausgeht, dass unsere ganze bisherige Forschung einfach nicht richtig war: Wieso zum Henker ist in der Starfleet niemand auf die Idee gekommen, die DNA ihrer Besatzung mal zu untersuchen? Überhaupt hätte es irgendwem mal auffallen sollen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle den gleichen Organismus haben mit DNA als Träger der Erbgutinformation. Und auch dass es immer wieder Mischlingskinder gibt, ist ein starkes Indiz, dass die Verwandtschaft recht nah ist zwischen den verschiedenen humanoiden Lebensformen. Anscheinend machen wir in Zukunft Rückschritte in der Forschung.

Diese Episode hieß übrigens "The Chase" und ich musste natürlich direkt an "The chase is better than the catch" denken. Perlen der Musikgeschichte.


Ich wünschte, ich könnte so viel Text in so kurzer Zeit für meine Doktorarbeit schreiben.

8 Kommentare:

  1. Hahaha, wenn ich Dir einen Doktortitel für den Text geben könnte, würde ich das sofort tun <3
    Ich liebe TNG wegen den Figuren, aber aus wissenschaftlich Sicht ist da schon einiges an den Haaren herbeigezogen..
    Sehr gut fand ich auch die Episode, wo Worf und Troi zu Reptilien de-evolvieren (ist das ein Wort?), weil alle ihre stillgelegten Gene aktiviert werden.
    Ich glaub Crusher hat in irgendeiner Episode auch mal eine Zentrifuge mit nur einer Probe drin laufen lassen ^^

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Also ich hab nochmal nachgelesen, was in der Episode passiert: Worf deevolviert zum Höhlenmenschen, Troi zur Amphibie und Datas Katze Spot zum Iguana, weil durch synthetische T-Zellen alle ihre Introns aktiviert werden. (https://en.wikipedia.org/wiki/Genesis_(Star_Trek:_The_Next_Generation). Die Folge ist wirklich gut. :D

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    1. Das klingt spannend! Die T-Zellen haben also sämtliche Körperzellen invadiert? Wow. Die Folge hatten wir noch nicht, deshalb werde ich mich nicht weiter einlesen. Ich berichte dann.

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  4. Gah, schon wieder komisches Layout. Egal, ich lass das jetzt so.

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  5. Sehr gute Analyse der wissenschaftlichen Ungenauigkeiten 😃👍 und ohne es zu sehen, hab ich das Gefühl Star Trek mitzuschauen 😂👌

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